«Hier und Jetzt»: der Blog

Stressbewältigung – Der Körper braucht Anspannung ebenso wie Entspannung

Die Scheu vor Körperlichkeit scheint trotz allen Fortschritts in unserer medizinischen Kultur noch weit verbreitet zu sein: Der Körper soll beherrschbar sein und mit immer besseren Instrumenten und Medikamenten gesteuert und repariert werden. Manchmal ist das notwendig und sinnvoll. Was dabei jedoch verloren geht, ist die Fähigkeit, instinktives Wissen darüber was uns gut tut und was nicht, einzusetzen. Frühzeitige Warnsignale des Körpers werden nicht mehr erkannt oder auch ignoriert. Erst wenn der Magen schon wieder brennt, die Panikattacken das Leben einengen oder die Rückenschmerzen die tägliche Arbeit unmöglich machen, wollen wir handeln.

Eine bessere Selbstwahrnehmung und das Vertrauen in den Sinn der eigenen körperlichen Regungen zu stärken, ist ein wichtiger Aspekt der Körpertherapie. Dies geschieht vor allem über Gefühle und Empfindungen und weniger über den Intellekt. Ähnlich wie ein Kleinkind, das Berührung, Bewegung und Spiegelung braucht, um zu erfahren, wer es ist und was es kann, kann auch der erwachsene Mensch sein Selbst-Verständnis wieder neu entwickeln und trainieren. Viele Krankheiten, Beschwerden und Stimmungen entwickeln sich über stressauslösende Erfahrungen. Zumeist sind diese nicht in unserem Bewusstsein. Doch der Körper vergisst nicht. Positive wie auch negative Erfahrungen bleiben als Körpererinnerung in Form von Gefühlen, Spannungszuständen, Ahnungen oder inneren Bildern gespeichert.

Eine fundierte Körpertherapie führt Sie deshalb behutsam in eine Art vorsprachliche Empfindungswelt zurück. Der Körper kann so seine Art zu reagieren neu erkunden. Diese Körper-Selbst-Erfahrung regt Ihr System dazu an, bewusst und vegetativ wieder auf seine ureigenen alten, „gesunden“ Reaktionsweisen zurück zu greifen. So kann die Selbstregulierung des Körpers wieder erwachen und Stress verursachenden Konflikten kann auf andere Art begegnet werden.

 

Die physiologische Basis: Der Körper braucht Anspannung ebenso wie Entspannung

Stress ist auf vielfältige Weise fester Bestandteil unseres Lebens: Hunger verursacht Stress, Kälte und Hitze machen Stress, Einsamkeit sowie unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit sorgen für Stress. Und ebenso leiden wir unter Stress, wenn wir den Arbeitsplatz verlieren, wenn wir uns streiten, den Tod eines Partners verkraften müssen oder mit anderen traumatisierenden Erlebnissen konfrontiert sind. Stress kann krank machen und Krankheit bedeutet für den Körper ebenfalls Stress. Unser Körper reagiert darauf mit der Ausschüttung so genannter Stresshormone. Diese waren zu Urzeiten des Menschen u. a. dazu da, die Energiereserven des Körpers etwa für die Flucht vor oder den Kampf mit einem wilden Tier zu mobilisieren.

Stresshormone sind in der Lage, einen Menschen für eine bestimmte Zeit über sich und seine Kräfte hinaus wachsen zu lassen. Ebenso vermögen sie es, ihn in die Starre eines erjagten Tieres zu versetzen.

Sofern nach besonderen Belastungen Phasen der Entspannung, des Wohlfühlens oder des Geniessens einsetzen können, kann unser Organismus von Zeit zu Zeit mit Stressbelastungen durchaus gut umgehen. Schwierig wird es dagegen, wenn Konflikte chronisch ungelöst bleiben. Dann nämlich werden Stresshormone nicht mehr abgebaut sondern fortwährend neu ausgeschüttet. Auf diese Weise versetzen sie den Körper in den Alarmzustand andauernder Über- oder Unterspannung. Der Körper lebt unter Dauerstress viel zu lange Zeit über seine Kräfte oder leidet unter zu wenig Antrieb. Dabei verfestigen sich körperliche und geistige Haltungen, die den Zweck haben, alte Schmerzen, seelische Verletzungen oder andauernde Verspannungen nicht mehr in aller Tragweite zu spüren. Es entstehen innere und äussere Schonhaltungen, die uns längerfristig aus dem Gleichgewicht bringen und psychische oder psychosomatische Beschwerden auslösen.

 

Stressbewältigung durch Körpertherapie

Mittels der Körpertherapie finden Sie Möglichkeiten, zur Stressbewältigung. Entspannung und Gelassenheit (wieder-)zuerlernen können dabei ebenso wichtig sein wie die Entdeckung von Neugierde und Begeisterung. Die Wiederherstellung eines gesunden physiologischen und psychischen Gleichgewichts bedeutet, das „Zuviel“ zu mindern das „Zuwenig“ zu stärken.

Written by geraldine

October 10th, 2017 at 1:48 pm

Biodynamische Craniosacral-Therapie

Der therapiebeschreibende Begriff craniosacral stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Schädel-Kreuzbein. Wie es die Übersetzung schon sagt, werden bei dieser Form der Körperarbeit sanfte Handgriffe und Interventionen im Bereich des Schädels und des Kreuzbeines ausgeführt.

Die Craniosacral-Therapie, eine aus der Osteopathie abgeleitete und weiterentwickelte Behandlungsform (William Garner Sutherland, 1873 – 1954), beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit sich auf die äusseren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen des Schädelswerden als gegeneinander beweglich angesehen.

Durch Berührung von Kopf und Rücken sammelt der Therapeut Informationen über mögliche Blockaden und wirkt auf Funktionseinschränkungen direkt am Körper ein sowie indirekt auch auf Membrane innerhalb des Schädels und auf die harte Hirnhaut. Dieses Vorgehen verbessert den „Primär-Rhythmus“ und reaktiviert die immer vorhandene Gesundheit. Dadurch können Beschwerden gelindert und die Lösung seelischer Traumata unterstützt werden.

Die Theorie von den losen Verbindungen der Schädelknochen und von dem Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit widerspricht dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung. Aus Sicht der Erfahrungsmedizin hingegen ist die Wirksamkeit der Craniosacral-Therapie unbestritten. Besonders bei Kindern mit schweren Geburtsverläufen und bei Erwachsenen mit HWS-Distorsion (Schleudertrauma) und wiederkehrender Migräne sowie Kopfschmerzen werden immer wieder sehr gute Resultate erzielt. Dies trotz der Tatsache, dass es selbst erfahrenen Therapeuten nicht möglich ist, erfolgreiche Behandlungen rational zu erklären.

Die Craniosacral-Therapie hat gemäss Lehrbuch und Klientenerfahrungen bei folgenden Beschwerden gute Resultate erzielt:

  • Schleudertrauma
  • Psychische und physische Traumata
  • Chronische Schmerzen
  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Probleme an Muskulatur und Bewegungsapparat
  • Postoperative Beschwerden

 

Die eigentliche Behandlung ist ausserordentlich sanft und angenehm. Klienten nehmen diese Therapieform als entspannend und auch beruhigend wahr. Nach einem Erstgespräch zwischen Klient und Therapeut, das in der Regel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die darauf folgenden Behandlungen, legt sich die zu behandelnde Person bekleidet auf eine Massageliege. Der Beginn der Behandlung variiert nach Situation und Beschwerdebild. Ein Abtasten entlang der Wirbelsäule mit leicht dosiertem Druck reicht, um Stauungen, Blockaden und Verspannungen zu lokalisieren. Mithilfe feiner Grifftechniken werden diese gelöst. Ziel einer jeden Behandlung ist das Wiederherstellen des craniosacralen Rhythmus (Primärrhytmus). Nach dem Erstgespräch sollte pro Sitzung eine Stunde eingerechnet werden. Da die craniosacrale Therapie eine Methode der Körperarbeit ist, wird während der Behandlung weitgehend auf ein Gespräch verzichtet. Wie oft die Behandlung wiederholt wird, ist vom jeweiligen Beschwerdebild abhängig und muss daher individuell definiert werden. Die besten Erfahrungen werden gemacht, wenn nach der Stabilisierungsphase eine so genannte Erhaltungsphase folgte. Die in relativ kurzen Intervallen (alle drei bis sieben Tage) erfolgte erste Behandlungsphase wird langsam reduziert und findet im Sinne der Prävention danach noch etwa alle zwei bis vier Wochen statt.

Die Craniosacral-Therapie ist bei Menschen jeden Alters und jeden Gesundheitszustandes sehr gut anwendbar.

 

Wer einen Unterschied zwischen Leib und Seele macht, besitzt keines von beiden.

(Oscar Wild)

Das Wort „Körper“ beschreibt sowohl das in Erscheinung tretende Material eines Menschen oder Tieres als auch den Organismus eines Lebewesens im biologischen Sinne. Möchten wir hingegen eine lebendige Beschreibung mit Betonung auf Körpergefühl und Körperbewusstsein, so läge der Begriff „Leib“ wesentlich näher. Wie kommt es also, dass wir unseren „Seelentempel“ nur noch mit einem materie-beschreibenden Wort bezeichnen?

Menschen haben sich selber und ihre Mitmenschen schon immer auf Ähnlichkeiten und Unterschiede hin betrachtet. Sie suchten und fanden Hinweise und Zeichen sowohl für Gesundheit als auch für Krankheit und begannen die Erscheinungen zuzuordnen.

Im 16. Jahrhundert begann man zum ersten Mal, systematische Leichenöffnungen durchzuführen. Die ursprünglich nur subjektiv erlebbaren Phänomene des Leibes wurden seither in der beschriebenen Anatomie völlig neu geordnet. Das bis dahin „unbekannte Innere“ wurde durch den neuen ärztlichen Blick zum begreifbaren und verständlichen Mechanismus. Die Folge dieses Wissens war die komplette Trennung der bis dahin synonymen Begriffe Leib und Leben. Neu tritt der Ausdruck „Körper“ an die Stelle von „Leib“ (lat. „Corpus“: Masse, Leichnam).

Der Körper wird zu einem Objekt der Forschung, Einteilung und klar rationalen Definition. Der in dieser Weise angegriffene und bis dahin verstandene Leib verliert seinen ursprünglichen, sakralen Charakter und wird zur hochkomplexen Maschinerie. Eine neue Übersichtlichkeit und ein Verstehen des Gesamtorganismus machen den Körper „durchschaubar“.

Der „von aussen“ als Objekt betrachtete Körper verdrängte immer mehr den „von innen“ erlebten Leib. Morris Berman, ein Wissenschaftshistoriker, zieht eine interessante Parallele zum „Spiegelkörper“. Ihm zufolge gelang es im 16. Jahrhundert venezianischen Glasbläsern erstmals Spiegel, in Massen zu produzieren. Die Eigenbeobachtung der Menschen war bis dahin eher zufällig und basierte primär auf dem im Wasser gezeigten Spiegelbild. Dass dieses Gut nun plötzlich für alle zugänglich und erschwinglich war, veränderte die Eigenwahrnehmung des Menschen nachhaltig. Das eigene Gesicht wie auch der Körper waren wiederholbar anzuschauen und zu begutachten. Damit wurde der Blick sich selbst und auch anderen gegenüber wesentlich bedeutsamer und kritischer. Das neue Eigenverständnis ging mit der gesamten Entwicklung des Individuums in der Renaissance einher. Richtige Verhaltensweisen und Manieren gewannen zusehends an sozialer Wichtigkeit. Der eigene „Spiegelkörper“ wurde als äusserlich sichtbares Pendant des eigenen Inneren verstanden, der Körper als „Spiegel der Seele“. Gesteigerte Körperkontrolle entwickelte sich zu einem wichtigen gesellschaftlichen Instrument des selbstbewussten und wertgesteigerten Individuums.

Seymour Fisher, ein Pionier der modernen Erforschung des Körperbildes („body image“) verweist darauf, dass die unmittelbare Erfahrung des eigenen Körpers erhebliche Auswirkungen auf unseren sozialen Umgang hat. Interessant sind solche Studien vor allem darum, weil sie beweisen, dass die „oberflächliche Selbsterkenntnis“ – hervorgeführt durch das eigene Spiegelbild, und den damit verbundenen Vergleich zu anderen – mehr Zweifel als Genugtuung auslösen. Das sich-beobachten-können und die eigene Vorstellung über die aktuelle Spiegelung beim vis-à-vis kann die Bewegung „weg vom Leib hin zum Körper“ zusätzlich verstärken. Eine Wahrnehmung, welche sich weg vom Gesamten hin zum Visuellen bewegt hat, macht es immer schwieriger, im Sinne eines Ganzen bei sich zu bleiben.

Written by geraldine

July 10th, 2017 at 1:07 pm

Körpertherapie – Gesundheit fördern

Was ist eigentlich Körpertherapie? Wie das Wort schon vermuten lässt, handelt es sich hier um Therapieformen welche sich mit unserem Körper beschäftigen.

Theoretisch gehören die Physiotherapie und Massagepraktiken ebenfalls dazu, praktisch wird an dieser Stelle aber eine Unterscheidung zu jenen Formen gemacht, welche sich nebst den rein körperlichen Symptomen auch um jene der Psyche kümmern, also ganzheitlich sind. Wenn Sie an dieser Stelle meines Artikels die Nase rümpfen und glauben, dass es gleich mit „esoterischen“ Weltanschauungen weitergeht, kann ich Sie beruhigen. Dank den vielschichtigen Forschungen Seitens der Neurowissenschaft, wissen wir heute, dass alle psychischen Vorgänge unmittelbaren Einfluss auf unsere körperlichen ausüben und umgekehrt.

Konkret heisst das, dass eine Massage sehr wohl einen Bezug zu unserem seelischen Wohlbefinden hat, wenn auch die Absicht des Massierten eine andere sein mag.

Nichts desto trotz ist der Rahmen, in welchem eine Körpertherapie stattfindet in der Regel ein anderer als während einer Massage. Das begleitende Gespräch spielt hier eine tragende Rolle und Prozesse werden in einer konstruktiven Form unterstützt.

 “Die einzige Möglichkeit zur Veränderung liegt im Hier und Jetzt!”

Vor allem chronische Leiden, diffuse Krankheitsbilder oder aber auch lebenseinschneidende Erlebnisse und Diagnosen, können Mittels solcher Formen von Therapie gut behandelt werden. Dabei geht es nicht um eine „Wunderheilung“, sondern um Linderung der Beschwerden und das Finden eines neuen, lebens- und gesundheitsbejahenden Aspektes. Ein verbessertes Körpererleben ermöglicht eine rasche Steigerung der Lebensqualität auf psychischer und psychosomatischer Ebene. Um das zu erreichen ist es notwendig, den Körper als Teil von uns wahrzunehmen, auf ihn zu hören und ihm Beachtung zu schenken.

Die eigentliche Behandlung ist ausserordentlich sanft und angenehm. Klienten nehmen diese Therapieform als entspannend und auch beruhigend wahr. Nach einem Erstgespräch zwischen Klient und Therapeut, das in der Regel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die darauf folgenden Behandlungen, legt sich die zu behandelnde Person bekleidet auf eine Massageliege. Der Beginn der Behandlung variiert nach Situation und Beschwerdebild. Ein Abtasten entlang der Wirbelsäule mit leicht dosiertem Druck reicht, um Stauungen, Blockaden und Verspannungen zu lokalisieren. Mithilfe feiner Grifftechniken werden diese gelöst. Durch subtile Berührung im Dialog mit Ihrem System können sich Störungen, die oft auch auf alte Körpermuster und Traumatisierungen zurückzuführen sind, in den feinen Bewegungen von Knochen, Membranen und Flüssigkeiten zeigen und mit der innewohnenden Ordnung wieder in Einklang kommen. Nach dem Erstgespräch sollte pro Sitzung eine Stunde eingerechnet werden. Wie oft eine Behandlung wiederholt wird, ist vom jeweiligen Beschwerdebild abhängig und muss daher individuell definiert werden. Die besten Erfahrungen werden gemacht, wenn nach der Stabilisierungsphase eine so genannte Erhaltungsphase folgte. Die in relativ kurzen Intervallen (alle zwei bis sieben Tage) erfolgte erste Behandlungsphase wird langsam reduziert und findet im Sinne der Prävention danach noch etwa alle zwei bis vier Wochen statt.

Stress. Eine individuelle Reaktion.

Wir alle kennen Stresssituationen: Eine hohe Belastung am Arbeitsplatz, privates Engagement, finanzielle Verpflichtungen; manchmal wird es einfach zu viel. Aber es gibt auch Momente in welchen wir das Gefühl von Stress zu empfinden obwohl es keine rationalen Gründe dafür gibt. Warum ist das so und was steckt dahinter?

Alle unsere Erfahrungen, positive wie auch negative, lösen sich nicht in „Luft“ auf, sondern addieren sich zu gespeicherten Gedächtnisinhalten in sogenannten Nervenzell-Netzwerken. Diese wiederum werden teilweise unbewusst abgerufen.

Im Moment der Ausrufung des Alarmsystems setzt im Grosshirn und im limbischen System eine massive Aktivierung von Genen ein. Die zuerst aktiven Gene gehören zur Gruppe der Sofortreaktionsgene, deren Produkte nach dem Schneeballsystem innerhalb der Zelle dann weitere Gene aktivieren.

Nervenzellen, die während einer Gefahrensituation aktiviert werden und bestimmte Gene anschalten, tun etwas für deren Selbsterhaltung. Die Proteine, die im Rahmen der Aktivierung von Genen hergestellt werden, dienen den Nervenzellen als Wachstumsfaktor und verstärken die Kontaktstellen, mit denen die Nervenzellen untereinander vernetzt sind.

Stellen Sie sich diese Nervenzellverbindungen einfach als einen dünnen Faden vor. Wird diese Verbindung immer wieder aktiviert, so wird sie stärker. Aus einem dünnen Faden wird ein dickes Seil.

Diese Nervenzell-Netzwerke werden somit als Folge ihrer Tätigkeit stabilisiert. Diese sind bedeutsam: Wenn sich alarmierende Erfahrungen oder Niederlagen im Leben eines Menschen häufen, werden die darauf spezialisierten Nervenzell-Netzwerke die Oberhand gegenüber anderen Netzwerken bekommen, deren Spezialität darin besteht, die Chancen und Bewältigungsmöglichkeiten einer Situation zu erkennen.

Einschneidende oder oft wiederholte Vorerfahrungen von Gefahr, Niederlage, Angst und Flucht verändern neuronale Netzwerke also in der Weise, dass Interpretation künftiger neuer Situationen Interpretationen die Oberhand haben, die wiederum in die gleiche Richtung gehen.

Eine solche Entwicklung aufzuhalten oder rückgängig zu machen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesprächs- und Körpertherapie.

Nicht nur unsere ersten Lebensmonate, sondern auch jene im Mutterleib prägen unser hormonelles System. Ist eine Frau während der Schwangerschaft unter psychischem oder physischem Stress, wirkt sich das direkt auf das Stresssystem des Ungeborenen aus. Ist nach der Geburt genügend mütterliche Zuwendung durch Berührung und Nähe vorhanden, wird das Stress-Gen deutlich weniger aktiviert.

Die grosse Unterschiedlichkeit individueller Vorerfahrungen hat zur Folge, dass die Reaktion der neurobiologischen Stresssysteme von Person zu Person sehr verschieden ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen welche dem gleichen Ausmass an Stressintensität ausgesetzt sind, in der körperlichen Verarbeitung sehr unterschiedlich reagieren. Ebenfalls haben Untersuchungen an Zwillingen eine individuelle Stressreaktion gezeigt. Der Umgang mit Stress ist also nicht genetisch und somit nicht vererblich. Das verstärkt die Bedeutung der individuellen Vorerfahrung.

Dass zwischenmenschliche Bindungen die biologischen Stresssysteme schützen, gilt nicht nur für das Kind, sondern auch im späteren Leben. Bindungen und soziale Unterstützung haben sich in zahlreichen Studien als einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegenüber extremen Ausschlägen der biologischen Stressreaktionen erwiesen.

Diese Erkenntnisse der Neurowissenschaft mögen schockierend sein, beinhalten aber auch die Chance zum Bewussten Handeln und Erleben. Das wirksamste Mittel für einen guten Umgang mit Stress sind also Begegnung, Beziehung und Berührung.

Warum wir Berührung brauchen

Die Neurobiologie hat in den vergangenen Jahren hinlänglich den Beweis für den Menschen als soziales Wesen erbracht. Er ist genetisch darauf programmiert, Kontakte zu knüpfen, Kooperationen zu leben und Beziehungen einzugehen. Hormone, resp. Neurotransmitter wie etwa Dopamin (im Volksmund Glückshormon) oder Oxytozin leisten entsprechende Hilfestellung. Die Dopamin-Achse, das Kernstück der Motivationsachse, erhält von den Emotionszentren des Gehirns Informationen darüber, ob in der Aussenwelt Objekte vorhanden sind, für die es sich lohnt, aktiv zu werden. Die Bildung des Oxytozins hingegen wird über alle Formen der freundlichen Interaktion angeregt. Dies sind namentlich Streicheleinheiten, Berührungen, Massagen oder die Stimulation der erogenen Zonen.

Oxytozin hat eine Reihe von medizinischen Effekten: Es sorgt für körperliche und psychische Entspannung, senkt den Bluthochdruck, dämpft die Angstzentren und vermag das Stress-System zu beruhigen.

All diese Ausführungen klingen plausibel. Sind also einzig die Gene für unser Glücklichsein verantwortlich? Für das Funktionieren unserer Beziehungen oder für unsere Ausgewogenheit? Leider nein. Die genetische Ausstattung kann lediglich garantieren, dass die neurobiologischen Werkzeuge dafür vorhanden sind. Entscheidend für die Fähigkeit, genetisch bereitgestellte Systeme auch einzusetzen, ist, ob sie – vor allem in der Frühphase des Lebens – eingespielt und benutzt werden konnten.

Als Erwachsene können wir selbst daran mitwirken, dass Kooperation gelingt. Als Neugeborene und als Kinder sind wir jedoch darauf angewiesen, dass uns gute zwischenmenschliche Erfahrungen vermittelt werden. Für das Funktionieren und Instandhalten aller biologischen Systeme gilt ein Satz aus der amerikanischen Hirnforschung: „Use it or lose it“, also „Benutze was die Gene bereitstellen, oder du wirst sie verlieren“. Für die Motivationssysteme heisst das: Bleiben während der Kindheit und Jugend gute Beziehungserfahrungen aus, hat dies fatale Folgen für die spätere Beziehungsfähigkeit der betroffenen Individuen.

Tiffany Field, Direktorin und Gründerin des Touch Research Institutes in Miami, Florida, bringt die neurobiologischen Vorgänge und entsprechende Konsequenzen auf den Punkt. Sie macht deutlich, dass man sich Körperkontakt nicht einfach als angenehmen Zeitvertreib gönnen sollte, sondern dass dieser existentieller Natur ist. Ein chronischer Mangel an Berührung beeinträchtigt nicht nur körperliche und geistige Entwicklungsprozesse, sondern fördert auch aggressives, selbstzerstörerisches oder sogar süchtiges Verhalten. In kritischen Phasen wie dem Säuglingsalter, der frühen Kindheit und dem Alter oder in Zeiten schwerer körperlicher Erkrankung, kann der fehlende Körperkontakt die Lebenskräfte und den Lebenswillen so massiv reduzieren, dass nicht nur Säuglinge, sondern auch erwachsene Menschen regelrecht verkümmern und zugrunde gehen.

In einer Welt, in der wir uns immer häufiger nicht direkt – also körperlich – begegnen, sondern über Zwischenmedien wie Mobiltelefon oder Internet kommunizieren, laufen wir Gefahr, in einem der wesentlichsten Bereiche unserer Existenz auszuhungern, ohne dass uns dies bewusst wird. Die medizinischen, psychologischen und soziologischen Erkenntnisse über die dramatischen Auswirkungen, die das Fehlen ausreichender körperlicher Zuwendung nicht nur auf die Qualität, sondern gar auf das Fortbestehen des Lebens hat, sprechen für sich. Anschaulich zeigen sich die Auswirkungen von Berührung/die Erwartung der Berührung (oder dem Mangel daran) auf den Hormonstatus resp. die Neurotransmitter (zum Beispiel Dopamin/Oxytozin u.a.). Untersuchungen von Tiffany Field lassen keine Zweifel, dass Berührung signifikant auf die individuelle Schmerzverarbeitung, die Selbstheilungskräfte und das Wohlbefinden wirkt. “Bei allen von uns bis heute gemachten Experimenten, zeigt sich der positive Effekt der Massage als signifikant. Wir haben kein einziges Beschwerdebild untersucht – inklusive Krebs – bei welchem sich der Effekt des Wohlbefindens, der Beruhigung und der Schmerzlinderung nicht nachweislich gezeigt hätte.”

Schlaf doch mal ein bisschen

Der Schlaf macht derzeit einen Imagewandel durch: Wer schläft, ist nicht faul, sondern smart. Dumm nur: Schlaf wird immer mehr zur Mangelware.

Schlafen ist heute weit mehr als ein simples Grundbedürfnis. Schlafen ist Lifestyle. Matratzen zum Beispiel sind längst eine Wellness-Wissenschaft – von der Luftkern- bis zur Viskoschaummatratze versprechen alle den optimalen Schlaf. Kissen sind nicht bloss Kissen, sondern auf Seiten-, Bauch- und Rückenschläfer individuell abgestimmte Kopfstützenlösungen. Luxushotels locken mit exklusiven «Schlaferlebnissen». Und natürlich gibt es superatmungsaktive Bettwäsche und Biopyjamas.

Ja, die Schlafindustrie boomt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In einer gestressten Leistungsgesellschaft plagt so gut wie jeden das ungute Gefühl, schlecht und vor allem zu wenig zu schlafen. Fragt sich bloss: Kann man je genug Schlaf bekommen?

Schlafimage im Wandel

Karin Frick schmunzelt. Die 55-Jährige ist leitende Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in Rüschlikon, das Thema Schlaf gehört zu ihren Fachgebieten. «Tatsächlich schlafen wir in westlichen Ländern heute rund eine Stunde weniger als noch vor zwanzig Jahren. Doch damit allein lässt sich das gefühlte Schlafmanko nicht erklären.» Wahrscheinlich hätten die Menschen früher ähnlich schlecht geschlafen. «Heute aber schenken wir unserer Befindlichkeit viel mehr Aufmerksamkeit als früher», sagt Frick. Fühlen wir uns schlapp, stellen wir die Ernährung um oder gehen joggen. Die neueste Entwicklung in unserem Selbstoptimierungswahn: Wir befassen uns immer mehr mit unserem Schlafverhalten. «Genauso, wie wir heute bewusster essen als noch vor dreissig Jahren, um länger fit zu bleiben, versuchen wir auch gesünder und besser zu schlafen.»

In einer Always-on-Gesellschaft eigentlich nichts als logisch. Schlaf ist die neue Mangelware – und dementsprechend kostbar.

Bereits 2014 hat Frick gemeinsam mit Daniela Tenger eine GDI-Studie zur «Zukunft des Schlafens» verfasst. Heute, zwei Jahre später, zeichnen sich einige der beschriebenen Zukunftstrends bereits im Alltag ab. Zum Beispiel die These «Viel Schlaf wird zum Statussymbol». Laut Frick durchläuft der Schlaf gerade einen Imagewandel. «Wer viel und lange schlief, galt als faul und unnütz, weil man während des Schlafs unproduktiv ist.» Gerade bei Managern war wenig Schlaf ein Leistungsausweis, nach dem Motto: Schlafen ist etwas für Verlierer – die wirklich harten Kerle brauchen keine Erholung. So soll Christoph Blocher bloss drei bis vier Stunden Schlaf brauchen, Ex-Credit-Suisse-CEO Brady Dougan soll sich mit weniger als fünf Stunden topfit gefühlt haben.

Müde sind risikofreudiger

Doch dann kam Topmanagerin Arianna Huffington – und machte den Herren einen Strich durch die Rechnung. Die einflussreiche Gründerin der Onlinezeitung «Huffington Post», 2007 selbst ein Burn-out-Opfer, stempelte die Kurzschlafmentalität danach als «Macho-Idee» ab, mit der sich die Wirtschaftselite selbst etwas vormache. Huffingtons Botschaft: Wer mehr schläft, ist leistungsfähiger.

Das beweisen auch zahlreiche Studien. Weitere Studien haben ergeben, dass übermüdete Menschen zu Optimismus neigen. Sprich: Sie sind in ihren Entscheidungen risikofreudiger, weil sie sich überschätzen, was gerade bei Topmanagern oder Investmentbankern verheerende Folgen für Unternehmen haben kann. «In diesem Sinn ist Schlaf auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, allerdings setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch», sagt Frick.

Immerhin: Einige Kaderleute bekennen sich neuerdings öffentlich zu mehr Schlaf. Kürzlich sagte Le-Shop-Chef Dominique Locher in der «Bilanz», dass er durchschnittlich sechs bis sieben Stunden Schlaf brauche, um konzentriert durch den Arbeitstag zu kommen. «Würde ich um halb vier aufstehen, würde ich meine Produktivität über den Tag verlieren.» Er gehe weder in aller Herrgottsfrühe joggen – wie wohl manch anderer Kollege –, noch checke er direkt nach dem Aufstehen seine E-Mails. «Mir ist mein Schlaf einfach wichtiger.» Panalpina-Präsident Peter Ulber, der sich während seiner Zeit als Panalpina-CEO in ständig wechselnden Zeitzonen aufhielt, plante seinen Schlaf sogar im Terminkalender ein. Weil er auf ausreichend Schlaf bestehe, richte er seine Businesstermine um seine Schlafslots ein, erzählte Ulber der «Handelszeitung».

Wer schläft, ist ein Gewinner

Schlaf als Schlüsselfaktor für mehr Leistungsfähigkeit gilt aber nicht nur für die Führungsetage. Die Firma VW sperrt schon seit 2012 am Abend und am Wochenende die E-Mail-Server, damit sich Mitarbeitende nicht von zu Hause aus einloggen können. Andere Firmen bieten an, Mails während Abwesenheiten automatisch löschen zu lassen. Mit solchen Massnahmen will man die ständige Erreichbarkeit drosseln, weil sich diese negativ auf den Schlaf auswirkt. Andere Unternehmen haben das Thema Schlaf für ihre Gesundheitsförderungsprogramme entdeckt: So stelle etwa der Versicherer Axa-Winterthur Ruheräume für einen Powernap zur Verfügung, schrieb neulich «20 Minuten».

Viele Alternativen zum Schlaf

Aber lässt sich die drohende Schlaflosigkeit einer 24-Stunden-Gesellschaft mit solchen Mitteln verhindern? «Schlaf wird immer mehr zum raren Gut», ist Frick überzeugt. «Schon deshalb, weil es immer mehr Alternativen zum Schlaf gibt.» Vor der Einführung des elektrischen Lichts gingen alle schlafen, sobald es dunkel wurde. Noch im letzten Jahrhundert war in der Nacht ausser für Discogänger nicht allzu viel los, also gingen auch alle schlafen. Heute hingegen kann man in der Nacht à gogo online shoppen, mit Freunden chatten oder das Internet nach was auch immer durchforsten und sich dabei stundenlang um den Schlaf bringen.

Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen.

Die Zeichen stehen ganz offensichtlich schlecht, dass wir je wieder länger schlafen werden. Die Übermüdung lässt sich aber auch anders bekämpfen.

Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen. Einerseits mit neuen technologischen Hilfsmitteln, andererseits setze sich wahrscheinlich wieder der Trend durch, zweimal oder gar mehrmals innerhalb von 24 Stunden zu schlafen, dafür aber kürzer. Wieder? Ein Mittagsschlaf sei vor der Industrialisierung, also vor der Erfindung der Glühbirne und der Einführung der Taktarbeit, durchaus üblich gewesen, erzählt Frick. Ausserdem sei ein öffentlicher Powernap in asiatischen Ländern während des Tages schon heute üblich.

Aber ist ein solcher Schlafrhythmus wirklich effizienter?

Oder anders gefragt: Was ist eigentlich guter Schlaf? Antworten auf diese Fragen kennt Johannes Mathis, leitender Neurologe im Schlaflabor des Berner Inselspitals. Der 62-Jährige stellt allerdings sofort klar: «Guter Schlaf ist sehr individuell.» Ausserdem würden auch Faktoren wie die Wachhaltefähigkeit mitentscheiden, ob und wie gut ausgeruht sich Menschen fühlen. «Wer zum Beispiel eine gute Wachhaltefähigkeit hat, fühlt sich nicht unbedingt müde, auch wenn er weniger geschlafen hat», sagt Mathis. Es gäbe aber durchaus Richtwerte, wann Schlaf erholsam respektive effizient ist.

Zweimal pro Tag schlafen

Mathis ist überzeugt, dass unsere innere Uhr einem 2-Phasen-Schlafrhythmus folgt – nicht nur in der Kindheit, sondern auch im Erwachsenenalter. «Bevor die Glühbirne erfunden wurde, gingen die Menschen früh am Abend zu Bett und standen oft um Mitternacht auf, um sich zur Geisterstunde zu treffen.» Bauern mit sehr langen Arbeitszeiten würden heute noch häufig den Mittagsschlaf einhalten. «Mittlerweile ist die positive Wirkung eines kurzen Schlafs am Mittag auch wissenschaftlich nachgewiesen.» Mathis empfiehlt deshalb gewissen Patienten mit hohem Schlafbedarf, sich über Mittag bis zu einer halben Stunde hinzulegen. «Zehn Minuten Mittagsschlaf können bei diesen Patienten eine Stunde Nachtschlaf ersetzen», erklärt der Facharzt.

Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf.

Der Trend hin zum kürzeren Vielphasenschlaf wäre also effizienter als der nächtliche Monoschlaf, zumal wir gegen Morgen immer oberflächlicher schlafen, wie ein Blick auf das menschliche Schlafprofil zeigt. Mathis erklärt das Diagramm: Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf. Diese erste Phase ist am tiefsten und dauert rund eine Stunde. Danach tritt mehr oberflächlicher Schlaf oder Traumschlaf (REM) auf. Die Phasen wechseln sich stetig ab. «Während der Nacht wird der Tiefschlaf aber immer schwächer, der Traumschlaf und auch der oberflächliche Schlaf immer häufiger», fasst Johannes Mathis zusammen.

Wann ist Schlaf erholsam?

Allerdings, gibt der Neurologe zu bedenken, sei der Mensch in seinem Schlafverhalten nicht grenzenlos flexibel. Zeitgeber wie Licht, Aktivitäten oder Mahlzeiten beeinflussten den Schlaf-Wach-Rhythmus. Unsere innere Uhr, die die optimalen Zeiten für den Schlaf- und den Wachzustand steuert, richte sich nach den äusseren Zeitgebern. Sie könne aber nur sehr träge über längere Zeit durch die äusseren Einflüsse verschoben werden. «Der erholsame Schlaf ist deswegen auf eine genaue Regelmässigkeit angewiesen», so Mathis. Kommt hinzu: Wer zum Beispiel vor einem wichtigen Meeting nervös ist, kann sich schlecht eine halbe Stunde entspannt hinlegen.

Schlafmanko als Kostenfaktor

Dass wir heute schlechter schlafen als früher, kann Mathis nur vermuten. Moderne Schlafmedizin mit Schlaflabors für Patienten gibt es in der Schweiz erst seit dreissig Jahren, Mathis gehört zu den Pionieren. «Es gibt sicher einen Zusammenhang zwischen Forschungsergebnissen über Schlafkrankheiten und der Sensibilisierung der Gesellschaft auf Schlafstörungen.» Denn oft nimmt man ein Problem erst wahr, wenn es auch einen Namen hat. Heute unterscheidet die Medizin rund achtzig Schlafkrankheiten. Man weiss, dass Schlafmangel zu höherem Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, zu vermehrtem Auftreten einiger Krebsarten führen und sogar Übergewicht verursachen kann.

Ironischerweise lautet eine der Thesen, die Frick und Tenger in ihrer Zukunftsstudie aufgestellt haben, «Übermüdung wird das neue Übergewicht». Gemeint ist, so Frick, dass sich Schlafmangel – wie heute Übergewicht – bald zum grössten Gesundheitsproblem der westlichen Welt entwickeln könnte. Heute ist rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung von Schlafproblemen betroffen. «Wenn das so weitergeht, wird die schlaflose Gesellschaft zu einem kollektiven Gesundheitsproblem – und damit auch eine Herausforderung für die Politik und ein Kostenfaktor», erläutert Frick. Die Forscherin geht davon aus, dass «Schlaf zu einem zentralen Pfeiler der Gesundheitsvorsorge» wird. «Eigentlich müsste es künftig staatlich koordinierte Pro-Schlaf-Kampagnen geben, analog zu den Anti-Raucher-Kampagnen.»

Klingt nach einem Schlaf-Eldorado – insbesondere für die schon heute boomende Schlafindustrie.

Karin Frick denkt, dass das Bedürfnis nach schlafoptimierenden Tools und entsprechender Beratung den Markt noch weiter wachsen lassen wird. Heute bereits erhältlich sind verschiedene Schlaf-Tracking-Apps, mit denen sich der eigene Schlaf messen und so auch besser kontrollieren lässt. Eine US-Firma hat sogar schon eine Schlafmaske entwickelt, die ihre Benutzer direkt in den Tiefschlaf katapultiert.

Die Trendforscherin kann sich gut vorstellen, dass es künftig auch smarte Bettsysteme geben wird. Matratzen, Kissen, Bett wäsche und Pyjamas werden mit Sensoren ausgestattet sein, die den Schlaf permanent optimieren, indem sie untereinander Daten austauschen. Im Lifestylebereich wären für Frick «Concept Stores» denkbar, die ihr Angebot ganz auf das Thema Schlafen ausrichten und in denen «Masters of Sleep» die Kunden beraten, wie sie sich zum smarten Schlafen am besten einrichten. Nicht zu vergessen die ganze Hotelbranche, die zum Beispiel individuell durchgestylte Wellness-Schlafpakete anbieten könnte.

Schlafen wird öffentlich

«Schlafen könnte auch eine öffentliche Angelegenheit werden», doppelt Frick nach. Sie denkt nicht an Parks oder Zugabteile, sondern an neue Schlafstätten für Powernaps, sollte sich in unseren Breitengraden die Idee des gesunden Zwischendurchschlafs durchsetzen. «Wir wür den nicht nur zu Hause schlafen, sondern wie zum Beispiel in Japan auch in Schlafkapseln oder in Stundenhotels, in denen man für eine bestimmte Zeit eine Schlafgelegenheit mieten könnte.» Klingt abgefahren? Abwegig ist dieser Gedanke jedenfalls nicht. Schon heute gibt es in der Schweiz mehrere Tageshotels, in denen man sich für einige Stunden Erholung gönnen kann.

Das Nonplusultra punkto Schlaf wäre allerdings etwas viel Praktischeres, findet Frick.

«Eine kleine Pille, die uns zu jeder beliebigen Tageszeit und für genau die gewünschte Dauer gleich nach dem Einwerfen in einen erholsamen Tiefschlaf versetzt.» Leider sehen sowohl Schlafmediziner wie auch Zukunftsforscher ausgerechnet in dieser Sache schwarz.

 

Quelle: Berner Zeitung

Embodiment – Wechselwirkung von Körper und Psyche

Verwendet wird diese neuere Erkenntnis vor allem in der Klinischen Psychologie, welche Körper und Psyche als Ganzes versteht. Nach der Theorie des Embodiment stehen diese beiden in gegenseitiger Wechselwirkung. Der Hirnforschung ist es zu verdanken, dass der Körper eine gleichberechtigte Position als Mitgestalter von psychischen Prozessen einnimmt. Psychische Zustände drücken sich im Körper aus und Gleiches gilt in umgekehrter Richtung.

Das Embodiment entspringt verschiedenen wissenschaftlichen Zweigen mit jeweils unterschiedlichen Betrachtungsansätzen und Beweislagen. Die Psychologie als empirische Wissenschaft bezieht sich nebst der subjektiven Beobachtung vorallem auf Experimente der Sozialpsychologie. Diese zeigen eindrücklich, wie unumgänglich die oben beschriebenen Wechselwirkungen sind.

Im Sinne eines exemplarischen Beispiels möchte ich nachfolgend eines dieser Experimente (Quelle: Maja Storch, Embodiment), welches Bezug auf die Körperhaltung und Emotion nimmt, vorstellen: Unter dem Vorwand einer Untersuchung zu räumlichem Denken wurden zwei Gruppen gebildet, welche sich den entsprechenden (aber für die Studie schlussendlich irrelevanten) Tests unterziehen sollten. Nach deren Beendigung wurde behauptet, dass nun zusätzlich exakte Messungen über die Muskelaktivität nötig seien und die Probanden unter Aufsicht acht Minuten lang in einer ihnen zugewiesen Körperhaltung verharren müssten.

Gruppe 1 wurde in eine gekrümmte Körperhaltung gebracht, Gruppe 2 in eine aufrechte. Nach den acht Minuten bat die Versuchsleitung die Testpersonen zum nächsten Test. Die Aufgabe bestand darin, sich unlösbaren geometrischen Puzzles anzunehmen. Die Versuchsleitung wusste nicht, ob sie es mit einer Versuchsperson der gekrümmten Gruppe 1 oder der aufrechten Gruppe 2 zu tun hatte. Nun ging es um das Durchhaltevermögen bei einer frustrierenden Aufgabe. Gemessen wurde, wie viele Puzzleteile die Versuchspersonen von einem Stapel nahmen, bis sie frustriert waren und die Arbeit an einem Puzzle beendeten und zum nächsten übergingen. Das Ergebnis war eindeutig: Gruppe 1, die zuvor acht Minuten gekrümmt verharrt hatte, bearbeitete im Schnitt 10,78 Teilchen vor dem Wechsel zum nächsten Puzzle. Gruppe 2, die vorher aufrecht gesessen war, hielt im Schnitt 17,11 Teilchen durch.

Das Bemerkenswerte an dieser Studie ist die Tatsache, dass der Übertragungseffekt auf eine vorher eingenommene Körperhaltung auftrat. Körperhaltung und Puzzle wurden in unterschiedlichen Räumen durch unterschiedliche Versuchsleiter begleitet.

Dieses Experiment zeigt, dass die Selbstwahrnehmung des Gekrümmtseins eine Prädisposition mit sich bringt, die, wie im Beispiel der schwierigen Puzzle-Situation, Hilflosigkeits- und Versagensgefühle fördert.

Durch die gekrümmte Körperhaltung werden im psychischen System Themen wie Depression, Aufgeben und Mutlosigkeit aktiviert, welche dann in der Voreinstellung schneller zu entsprechendem Verhalten führt, als dies ohne jene Voreinstellung geschehen würde.

Der hier klar dargelegte Zusammenhang von Körper und Psyche ist eindrücklich und gleichzeitig erschreckend. Wie oft finden wir uns in einer gekrümmten Körperhaltung, vor allem dann, wenn es uns nicht gut geht, wenn wir uns niedergeschlagen fühlen und sowieso meinen, nichts mehr geregelt zu kriegen? Die wissenschaftlichen Belege, dass die Psyche nicht nur in der Körperhaltung sichtbar wird, sondern auch die Körperhaltung auf unsere Psyche wirkt, sollte uns alle in jeder Situation zu einer grundsätzlich aufrechteren Körperhaltung führen.

Wenn wir damit beginnen könnten, die Welt anders als bisher zu betrachten oder Denkprozesse anderes zu lenken, wenn es uns gelänge, nicht immer mit den gleichen Gefühlen auf dieselben Auslöser zu reagieren oder vielleicht auch nur eine andere Körperhaltung einzunehmen, so hätte das enormen Folgen für alles, was auf der „Baustelle Gehirn“ passiert. Dann würden nicht nur diejenigen neuronalen Verschaltungsmuster umgebaut, die an dieser neuen Leistung beteiligt sind, sondern ebenso auch alle anderen, die damit auf irgendeine Weise in Verbindung stehen.

Written by geraldine

September 19th, 2016 at 10:56 am

Diagnose Fibromyalgie. Und jetzt, wie weiter?

Die Fibromyalgie ist eine chronische, schmerzhafte und nicht-entzündliche Erkrankung des Bewegungsapparates, betroffen sind Muskeln, Sehnen und Bänder. Man redet auch von Weichteil-Rheumatismus da die Gelenke nicht betroffen sind. Das Typische an der Fibromyalgie sind starke Schmerzen vor allem im Bereich der Muskulatur und der Sehnenansätze mit Druckschmerzen an definierten Punkten (Tender points).

Dazu kommen häufig vegetative Symptome wie Übelkeit oder Schlaflosigkeit. Vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren leiden darunter. Doch auch Jugendliche und ältere Menschen nach den Wechseljahren können betroffen sein.

Der Umstand, dass es sich bei der Fibromyalgie um eine schleichende und unauffällige Erkrankung handelt, die sich nicht kontinuierlich verschlimmert, erschwert den Umgang damit. Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Schmerzen, ohne zu wissen, woher diese kommen und wie sie therapiert werden können. Oftmals dauert es Jahre, bis sich das Vollbild der Erkrankung zeigt und eine Diagnose gestellt werden kann. Bis dahin wird in der Regel die Ausschlussdiagnose angewendet, die zumindest den Vorteil der Entwarnung in Bezug auf viele andere Krankheiten bietet.

Fibromyalgie-Patienten haben aufgrund der problematischen Diagnose oft Schwierigkeiten, als arbeitsunfähig oder nur beschränkt arbeitsfähig anerkannt zu werden. Das wiederum führt nicht selten zu großen sozialen, beziehungsweise finanziellen Missständen. Die Krankheit ist nicht lebensbedrohlich, kann jedoch unter Umständen zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Sowohl die Ursache der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung sind ungeklärt. Es besteht eine Vielfalt von Befunden, die genetische, hormonelle, psychische und weitere Faktoren betreffen. In der Zusammenschau der Befunde wird derzeit vorwiegend eine Störung der Schmerz verarbeitenden Systeme im zentralen Nervensystem mit der Folge einer geringeren Schmerzschwelle diskutiert.

Bei Patienten mit Fibromyalgie liegen überdurchschnittlich häufig psychische Beschwerden wie Depressivität und Ängstlichkeit vor. Es ist ungeklärt und Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, inwieweit diese psychischen Störungen selbst Folge der chronischen Schmerzen sind – oder aber die Symptome der Fibromyalgie eine zugrundeliegende psychischen Belastung reflektieren.

Die Fibromyalgie ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar. Deshalb baut das heutige Behandlungskonzept auf der multimodalen Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung auf. Ziele der Maßnahmen sind hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und damit der Lebensqualität sowie die Minderung und Linderung der Beschwerden. Das Beschwerdebild besteht ein Leben lang. Deshalb werden insbesondere Behandlungsmassnahmen empfohlen, die vom Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können (Selbstmanagement), die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.

Danach werden folgende mögliche Behandlungen und Maßnahmen, die auf den jeweils Betroffenen individuell abgestimmt werden müssen, empfohlen:

 

  • Patientenschulung, Nutzung der Möglichkeiten von Selbsthilfeorganisationen
  • kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie
  • eine ausreichende schmerzlindernde Therapie unter Einsatz von Antidepressiva (schulmedizinisch und/oder pflanzlich)
  • körperliches Training hat auf die Befindlichkeit einen guten Einfluss. Geeignet sind deshalb Walken, Radfahren, Langlauf oder auch Schwimmen
  • psychologische Therapie oder sanfte Körperarbeit
  • Bäder und Badekuren als auch Ganzkörperwärmetherapie (Sauna, Thermalbäder)
  • Entspannungsverfahren zur Verbesserung des Schlafes wie auch der Stressbewältigung. Hierzu können autogenes Training, Meditation oder Yoga und ähnliche Techniken hilfreich sein

Die Fibromyalgie kann bis heute nicht geheilt werden. Dennoch ist es für jeden Klienten und jede Klientin möglich, Lebensqualität zurückzugewinnen und diese aufrechtzuerhalten. Und vielleicht ist sogar die Tatsache, dass Schmerzfreiheit nicht selbstverständlich ist, eine Chance, um die kleinen und schönen Dinge des Lebens mehr zu schätzen.

Written by geraldine

April 27th, 2016 at 11:28 am

Posted in Körpertherapie

Die Reinigungskur: Auf direktem Weg zu Frühlingsgefühlen

Der Winter neigt sich dem Ende zu. Viele von uns freuen sich darauf, das Gefühl der Schwere und Kälte hinter sich lassen und die Türen dem leichten Frühling zu öffnen. Engagierte Hausfrauen- und Männer nutzen die Zeit um die Wohnung einem rigorosen Frühlingsputz zu unterziehen, alles auszulüften und startklar für die neue Zeit zu machen. Doch damit allein ist es nicht immer getan. Der Winter steckt in unseren Knochen, in unserem Lebensgefühl und manchmal auch auf unseren Hüften.

Klassisch waren bis anhin verschiedenste Variationen von Diäten. Alle bekannt durch schlagende Namen wie etwa „die Blitz-Diät“ oder die „Bikini-Diät“. Unser Körper, der uns jahrein jahraus treue Dienste erweist, hat jedoch etwas Besseres verdient: eine Reinigung  – ganz ähnlich wie unsere Wohnung. Abgesehen davon, dass Ihr Körper Ihnen die Regenerationszeit einer solchen Kur danken wird, verlieren Sie dabei ohne grosse Mühe auch ein paar der ungeliebten Kilos, die zwar nicht per se schädlich sein müssen, die aber dem ersehnten Gefühl der Leichtigkeit definitiv nicht mehr entsprechen.

Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, im Überangebot von Kuren jene zu finden, die tatsächlich wirkt. Eine Methode, die Sie garantiert zufrieden stellen wird, ist die sogenannte „Polarity-Reinigungskur“. Dem Wesen nach orientiert sie sich an den Weglass- und Aufbau-Kuren. Schritt für Schritt, lassen Sie Nahrungsmittel weg. Üblicherweise fangen Sie mit den sogenannten Reizstoffen wie Kaffee, Alkolhol und Weisszucker an. Dann, je nach Konstitutionstyp, fallen vorübergehend Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte weg. Was im ersten Moment verwirrlich scheint, ist in der Anwendung einfach. Zu empfehlen ist ein Kur-Zeitraum von 3 Wochen. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass sich der Körper nach Weglassen des Kaffees mit Entzugserscheinungen wie leichten Kopfschmerzen meldet. Oder dass er mit Glieder- und Gelenkschmerzen auf den Fleischverzicht reagiert. Diese Symptome weichen aber rasch zu Gunsten einer neuen Eigenwahrnehmung.

Haben Sie erst einmal die gängigsten Nahrungsmittel weggelassen, so beginnen die effektiven Reinigungstage, die Sie mit spezifischem Tee und einer sogenannten Leberspülung (ein Ingwer-Früche-Olivenöl-Saft am Morgen) unterstützen und intensivieren können. Nach rund 10 Tagen geht es dann schon wieder an den Aufbau. Nach und nach werden alle weggelassenen Nahrungsmittel hinzugefügt, bis Sie wieder bei Ihrer alltäglichen Ernährung angelangt sind.

Diese Kur bietet sich natürlich besonders im Frühling an, aber auch im Herbst. Gute Resultate zeigen sich nicht nur in Bezug auf das Verlieren von zwei bis vier Kilos, sondern auch in der Nachhaltigkeit. Dadurch, dass Sie weder Kalorien zählen noch auf halbe Portionen umstellen, sondern Ihrem Körper die Chance geben, sich auf die jeweiligen Lebensmittel zu konzentrieren, stellen Sie auch ganz einfach Unverträglichkeiten fest. Viele Menschen verdauen Milchprodukte sehr schlecht, wissen das aber bis zum Zeitpunkt einer solchen Kur gar nicht. Andere wiederum klagen immer wieder über Gelenkschmerzen und stellen eine Verbesserung fest, nachdem sie auf dem täglichen Ernährungsplan das Fleisch reduzieren.

Von dieser Kur profitieren zudem besonders Menschen mit Allergien, aber auch Rheumatiker. Sich etwas Gutes tun, den Körper reinigen, eine Auszeit nehmen und noch überflüssige Pfunde verlieren, das ist jedoch ein Gesamtpaket, das sich für uns alle lohnt.

Falls Sie zum ersten Mal eine Kur machen, sollten Sie sich von einer Fachperson begleiten lassen. Fachwissen und mentale Unterstützung werden Ihnen helfen, sich gezielt auf den Frühling vorzubereiten!

Written by geraldine

March 25th, 2016 at 10:13 am