«Hier und Jetzt»: der Blog

Drei wichtige Dinge pro Tag

 

Die Zeit-Expertin Anna Jelen empfiehlt, höchstens zwei Mal pro Tag die Mails zu checken und sich auf drei wichtige Aufgaben zu konzentrieren. Hier ein kurzen Auszug aus dem am 14. Januar 2018 im TagesAnzeiger erschienen Interview:

Den Tag pflücken und den Moment geniessen?

Ich empfehle nicht, nur im Moment zu leben – würden wir uns darauf beschränken, hätten wir keine Motivation, etwas aufzubauen, mittelfristig auf etwas hinzuarbeiten. Wir können nicht permanent so leben, als wären wir morgen tot, aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, mit gutem Zeitmanagement allein würden wir unser Zeitproblem in den Griff bekommen. Wenn wir nicht lernen, mehr Nein zu sagen, uns auf wenige wichtige Dinge zu konzentrieren, unser eigenes Lebensbuch zu schreiben, dann brennen wir früher oder später aus oder verpassen unser Leben.

Sie halten also nichts von klassischen Zeitmanagement-Techniken?

Damit werden wir effizienter, aber das ist kein Ausweg aus dem tieferliegenden Dilemma.Mit dem Soziologen Hartmut Rosa bin ich überzeugt, dass es kein individuelles Zeitmanagement-Problem gibt, sondern eine strukturelle gesellschaftliche Herausforderung, die uns zum Umdenken zwingt. Die Beschleunigung des sozialen Wandels, des Lebensrhythmus’ und der Technologie erzeugen weltweit Zeitkrisen. Dazu kommt die Explosion der Möglichkeiten, die uns freier macht, aber auch den Entscheidungsdruck erhöht. Das alles können wir nicht durch klassisches Zeitmanagement meistern. Denn dieses ändert nichts am beklemmenden Gefühl vieler Menschen, sie hätten zu wenig Zeit, ihnen laufe die Zeit davon. Solange wir die Uhr ticken hören, sind wir lebendig und haben Zeit zur freien Verfügung. Die wesentliche Frage ist, wie wir mit ihr umgehen, wofür wir sie nutzen. Wir leben global in einer Zeitkrise und niemand redet davon.

Wie schützen Sie sich konkret davor, dass die Zeit ungenutzt verstreicht und sich Ihr Terminkalender zu sehr füllt?

Ich konzentriere mich darauf, täglich Momente zu kreieren, an die ich mich abends mit Dankbarkeit erinnern werde. Das bedingt eine klare Struktur und Disziplin in der Ausarbeitung und Einhaltung einiger Regeln. So starte ich praktisch nie ohne mein Morgenritual oder Spaziergang in den Tag. Beides steht ganz im Zeichen einer einzigen Frage: «Wie möchte ich mich am Ende dieses Tages fühlen?» Daraus leitet sich alles Weitere ab. Das Geheimnis liegt in der Beschränkung – wir sollten «Not to do»-Listen führen statt viel zu lange «To do»-Listen zu erstellen, die uns frustrieren. Ich nehme mir nie mehr als drei wichtige Dinge pro Tag vor, sage also zur Mehrheit der Möglichkeiten Nein. Und lasse viele Zeitpuffer offen für Unvorhergesehenes. Durch diese morgendliche Ausrichtung starte ich mit Elan und einem Adlerblick in den Tag und vermeide es, mich in der Arbeit oder der Zerstreuung zu verlieren.

Quelle:
“40 tickende Uhren erinnern mich an meine Verantwortung”
TagesAnzeiger, Beruf und Berufung
Mathias Morgenthaler

Written by geraldine

January 14th, 2018 at 12:42 pm

Wer eilt erreicht als erster das Grab.

(Spanisches Sprichwort)

Schnelle Orte, schnelle Firmen, schnelle Menschen. Das Lebenstempo hat weitreichende Konsequenzen für die Lebensqualität. Es beeinflusst die körperliche und seelische Gesundheit der Menschen und des sozialen Wohlbefindens. Aber diese Konsequenzen spalten sich häufig in Plus- und Minuspunkte auf. Jedes Tempo hat Vor- und Nachteile.

Mitte der fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts bemerkten zwei Herzspezialisten in San Francisco, Meyer Friedman und Ray Rosenman, dass die Herzpatienten in ihrem Wartezimmer angespannter wirkten, als andere Patienten. Genauer gesagt hatten Friedman und Rosenman diese Erkenntnis einem Polsterer zu verdanken, der sie auf die merkwürdige Tatsache hinwies, dass die Stühle in ihrem Wartezimmer lediglich vorn an den Kanten der Sitze abgewetzt waren. Einer spontanen Eingebung folgend leiteten sie ein Untersuchungsprogramm in die Wege, um die bis dahin nahezu unerforschte Frage zu prüfen ob seelischer Stress signifikant zur Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes beitragen könnte.

In einer ihrer ersten Untersuchungen prüften Friedman und Rosenman den Cholesteringehalt im Blut von Steuerbeamten von Januar bis Juni. Deren Essverhalten und das Pensum an Bewegung änderte sich in dieser Zeit nicht. Aber in den ersten beiden Aprilwochen, als der Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung – der 15. April – und der damit verbundene Stress näherrückten, stieg ihr durchschnittlicher Cholesterinspiegel sprunghaft an, und die Neigung zu Blutgerinnseln nahm zu. Im Mai und Juni waren die Werte wieder auf ihren normalen Stand gesunken.

Die beiden Herzspezialisten schlossen daraus, dass manche Menschen in einer selbsterzeugten Haltung chronischer innerer Spannung leben. Die stressgeplagten Patienten in ihrem Wartezimmer fühlen sich immer wie die Steuerbeamten Mitte April.

Bei Menschen die immer unter Zeitdruck stehen, getrieben sind und sich konkurrenziert fühlen, ist die Wahrscheinlichkeit an einer Herzkrankheit zu erleiden siebenmal höher als anderen Menschen (Levine, 1999). Ein von Eile geprägtes Lebenstempo, schnelles gehen und essen, wenig Geduld und sogenanntes „Multitasking“ gehören zu den Elemente, die Sie zwar „erfolgreich“ (dieser Begriff ist sehr relativ zu verstehen) aber auch hellhörig machen sollten.

Ja, wir leben in einer Zeit in welcher alles schneller gehen soll. Und das ist nicht nur schlecht. Ein hohes Tempo gibt uns das Gefühl von Vitalität und Dynamik, eventuell auch ein Gefühl von Sinn und Erfüllung. Geniessen Sie also die Zeiten in welchen Ihnen die „temporeichen Herausforderungen“ Spass machen und Befriedigung geben. Aber bleiben Sie auch ehrlich: Ab und zu innehalten hat noch nie jemandem geschadet.

 

Written by geraldine

November 9th, 2017 at 1:02 pm

Biodynamische Craniosacral-Therapie

Der therapiebeschreibende Begriff craniosacral stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Schädel-Kreuzbein. Wie es die Übersetzung schon sagt, werden bei dieser Form der Körperarbeit sanfte Handgriffe und Interventionen im Bereich des Schädels und des Kreuzbeines ausgeführt.

Die Craniosacral-Therapie, eine aus der Osteopathie abgeleitete und weiterentwickelte Behandlungsform (William Garner Sutherland, 1873 – 1954), beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit sich auf die äusseren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen des Schädelswerden als gegeneinander beweglich angesehen.

Durch Berührung von Kopf und Rücken sammelt der Therapeut Informationen über mögliche Blockaden und wirkt auf Funktionseinschränkungen direkt am Körper ein sowie indirekt auch auf Membrane innerhalb des Schädels und auf die harte Hirnhaut. Dieses Vorgehen verbessert den „Primär-Rhythmus“ und reaktiviert die immer vorhandene Gesundheit. Dadurch können Beschwerden gelindert und die Lösung seelischer Traumata unterstützt werden.

Die Theorie von den losen Verbindungen der Schädelknochen und von dem Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit widerspricht dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung. Aus Sicht der Erfahrungsmedizin hingegen ist die Wirksamkeit der Craniosacral-Therapie unbestritten. Besonders bei Kindern mit schweren Geburtsverläufen und bei Erwachsenen mit HWS-Distorsion (Schleudertrauma) und wiederkehrender Migräne sowie Kopfschmerzen werden immer wieder sehr gute Resultate erzielt. Dies trotz der Tatsache, dass es selbst erfahrenen Therapeuten nicht möglich ist, erfolgreiche Behandlungen rational zu erklären.

Die Craniosacral-Therapie hat gemäss Lehrbuch und Klientenerfahrungen bei folgenden Beschwerden gute Resultate erzielt:

  • Schleudertrauma
  • Psychische und physische Traumata
  • Chronische Schmerzen
  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Probleme an Muskulatur und Bewegungsapparat
  • Postoperative Beschwerden

 

Die eigentliche Behandlung ist ausserordentlich sanft und angenehm. Klienten nehmen diese Therapieform als entspannend und auch beruhigend wahr. Nach einem Erstgespräch zwischen Klient und Therapeut, das in der Regel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die darauf folgenden Behandlungen, legt sich die zu behandelnde Person bekleidet auf eine Massageliege. Der Beginn der Behandlung variiert nach Situation und Beschwerdebild. Ein Abtasten entlang der Wirbelsäule mit leicht dosiertem Druck reicht, um Stauungen, Blockaden und Verspannungen zu lokalisieren. Mithilfe feiner Grifftechniken werden diese gelöst. Ziel einer jeden Behandlung ist das Wiederherstellen des craniosacralen Rhythmus (Primärrhytmus). Nach dem Erstgespräch sollte pro Sitzung eine Stunde eingerechnet werden. Da die craniosacrale Therapie eine Methode der Körperarbeit ist, wird während der Behandlung weitgehend auf ein Gespräch verzichtet. Wie oft die Behandlung wiederholt wird, ist vom jeweiligen Beschwerdebild abhängig und muss daher individuell definiert werden. Die besten Erfahrungen werden gemacht, wenn nach der Stabilisierungsphase eine so genannte Erhaltungsphase folgte. Die in relativ kurzen Intervallen (alle drei bis sieben Tage) erfolgte erste Behandlungsphase wird langsam reduziert und findet im Sinne der Prävention danach noch etwa alle zwei bis vier Wochen statt.

Die Craniosacral-Therapie ist bei Menschen jeden Alters und jeden Gesundheitszustandes sehr gut anwendbar.

 

Willkommen im Hier und Jetzt – Vom Umgang mit Schmerzen

Viele von uns haben, bedingt durch unsere Lebensumstände, Gelassenheit und Achtsamkeit verloren (oder auch nie gehabt). Wir reden schnell, handeln schnell und unsere Gedankenkarussell halten uns vom Schlafen ab. Getrieben von Gedanken und gepeinigt von Schmerzen – Alltag der westlichen Gesellschaft. Aber es kann auch anders sein!

Am Universitätsklinikum Freiburg wurde anhand verschiedener Studien mit chronischen Schmerzpatienten nachgewiesen, dass sich das Schmerzempfinden der Patientinnen und Patienten um ein Vielfaches verbessert, wenn sie an einem achtwöchigen Gruppen- oder Einzelkurs in achtsamkeitsbasierender Stressbewältigung (MBSR) teilnahmen. Sie übten sich in Meditation, Körperwahrnehmung und Yoga und lernten dabei, anders mit ihren physischen Symptomen umzugehen. Dieselben physischen Zustände wurden anschliessend als wesentlich weniger wahrgenommen. Bei einer Kontrollgruppe, die lediglich Entspannungsübungen machte und psychologisch begleitet wurde, hatte sich das Schmerzempfinden kaum verändert. Es waren also die Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen, die den Schmerzpatienten zu einem besseren Lebensgefühl verhalfen. Sie ermöglichten ihnen, dieselben physischen Zustände anders zu bewerten. Die Patientinnen und Patienten eroberten sich durch die Aufmerksamkeitsübungen die Freiheit zurück, ihre Körperwahrnehmungen nicht unmittelbar als Schmerz interpretieren zu müssen (Knapp, 2008).

Der Leiter des Freiburger Forschungszentrums, Stefan Schmidt, erläuterte das Ergebnis mit folgender Formel: Leiden = Schmerz x Widerstand. Sogar chronischer Schmerz ist also keine rein physische Angelegenheit. Diese Aussage ist sehr deutlich. Ein Schmerz führt zu physischer und psychischer Anspannung, je grösser diese wird, desto intensiver zeigt sich der Schmerz. Die spiralförmige Aufwärtsbewegung führt irgendwann zu daraus resultierendem Leiden. Egal wie intensiv und langanhaltend sich Schmerz und / oder Anspannung zeigt; wenn eine Aufwärtsbewegung möglich ist, gibt es auch eine Abwärtsbewegung:

Ein bewusstes Sein im Hier und Jetzt ist ein zentraler Aspekt in der Stressbewältigung. Dies erfolgt nicht über irgendeine abgehobene Art von Heilkunst, sondern über das eigene Körpergewahrsein. Lernen wir unsere körperlichen Empfindungen (wie etwa Druck, Enge, Leere, Dichte, fliessen, kribbeln etc.) zu benennen, schafft dies eine sichere Verbindung zur Gegenwart. Die Wahrnehmungen auf besagter Ebene entsprechen jenen des limbischen Systems und somit den Wahrnehmungen unserer Urinstinkte. In dem wir diesen Empfindungen wieder Raum geben und über die Zeit lernen, sie schnell und präzise zu benennen, erfahren wir so etwas wie ein „Wieder-angeschlossen-sein“, eine Entschleunigung und ein besseres Gefühl für uns selbst.

Written by geraldine

August 25th, 2017 at 1:16 pm

Offline – einfach einmal nicht erreichbar

Arbeiten im Park, auf dem Sofa oder von unterwegs.

Für diese Flexibilität zahlen wir einen hohen Preis. Den wenigsten von uns gelingt eine konsequente Trennung zwischen on- und offline. Auch in der sogenannten Freizeit. Immer wieder einmal einen Blick auf’s Handy: Bahnverbindungen, Wetterbericht, aktuelle News. Und, ganz nebenbei, SMSen beantworten, Emails lesen, Voicemail abhören.

Genaugenommen sind wir also räumlich flexibel geworden, nicht aber in unserem inneren Gefühl von Freiheit. Im Gegenteil.

Wollen Sie abschalten? Dann gibt es nur eins: AUSSCHALTEN.

Written by admin

May 9th, 2017 at 4:39 pm

Stress. Eine individuelle Reaktion.

Wir alle kennen Stresssituationen: Eine hohe Belastung am Arbeitsplatz, privates Engagement, finanzielle Verpflichtungen; manchmal wird es einfach zu viel. Aber es gibt auch Momente in welchen wir das Gefühl von Stress zu empfinden obwohl es keine rationalen Gründe dafür gibt. Warum ist das so und was steckt dahinter?

Alle unsere Erfahrungen, positive wie auch negative, lösen sich nicht in „Luft“ auf, sondern addieren sich zu gespeicherten Gedächtnisinhalten in sogenannten Nervenzell-Netzwerken. Diese wiederum werden teilweise unbewusst abgerufen.

Im Moment der Ausrufung des Alarmsystems setzt im Grosshirn und im limbischen System eine massive Aktivierung von Genen ein. Die zuerst aktiven Gene gehören zur Gruppe der Sofortreaktionsgene, deren Produkte nach dem Schneeballsystem innerhalb der Zelle dann weitere Gene aktivieren.

Nervenzellen, die während einer Gefahrensituation aktiviert werden und bestimmte Gene anschalten, tun etwas für deren Selbsterhaltung. Die Proteine, die im Rahmen der Aktivierung von Genen hergestellt werden, dienen den Nervenzellen als Wachstumsfaktor und verstärken die Kontaktstellen, mit denen die Nervenzellen untereinander vernetzt sind.

Stellen Sie sich diese Nervenzellverbindungen einfach als einen dünnen Faden vor. Wird diese Verbindung immer wieder aktiviert, so wird sie stärker. Aus einem dünnen Faden wird ein dickes Seil.

Diese Nervenzell-Netzwerke werden somit als Folge ihrer Tätigkeit stabilisiert. Diese sind bedeutsam: Wenn sich alarmierende Erfahrungen oder Niederlagen im Leben eines Menschen häufen, werden die darauf spezialisierten Nervenzell-Netzwerke die Oberhand gegenüber anderen Netzwerken bekommen, deren Spezialität darin besteht, die Chancen und Bewältigungsmöglichkeiten einer Situation zu erkennen.

Einschneidende oder oft wiederholte Vorerfahrungen von Gefahr, Niederlage, Angst und Flucht verändern neuronale Netzwerke also in der Weise, dass Interpretation künftiger neuer Situationen Interpretationen die Oberhand haben, die wiederum in die gleiche Richtung gehen.

Eine solche Entwicklung aufzuhalten oder rückgängig zu machen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gesprächs- und Körpertherapie.

Nicht nur unsere ersten Lebensmonate, sondern auch jene im Mutterleib prägen unser hormonelles System. Ist eine Frau während der Schwangerschaft unter psychischem oder physischem Stress, wirkt sich das direkt auf das Stresssystem des Ungeborenen aus. Ist nach der Geburt genügend mütterliche Zuwendung durch Berührung und Nähe vorhanden, wird das Stress-Gen deutlich weniger aktiviert.

Die grosse Unterschiedlichkeit individueller Vorerfahrungen hat zur Folge, dass die Reaktion der neurobiologischen Stresssysteme von Person zu Person sehr verschieden ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen welche dem gleichen Ausmass an Stressintensität ausgesetzt sind, in der körperlichen Verarbeitung sehr unterschiedlich reagieren. Ebenfalls haben Untersuchungen an Zwillingen eine individuelle Stressreaktion gezeigt. Der Umgang mit Stress ist also nicht genetisch und somit nicht vererblich. Das verstärkt die Bedeutung der individuellen Vorerfahrung.

Dass zwischenmenschliche Bindungen die biologischen Stresssysteme schützen, gilt nicht nur für das Kind, sondern auch im späteren Leben. Bindungen und soziale Unterstützung haben sich in zahlreichen Studien als einer der wichtigsten Schutzfaktoren gegenüber extremen Ausschlägen der biologischen Stressreaktionen erwiesen.

Diese Erkenntnisse der Neurowissenschaft mögen schockierend sein, beinhalten aber auch die Chance zum Bewussten Handeln und Erleben. Das wirksamste Mittel für einen guten Umgang mit Stress sind also Begegnung, Beziehung und Berührung.

Krebserkrankung als Diagnose

Die Diagnose einer Krebserkrankung ist immer ein Schock. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen. Das ganze Lebensgefüge scheint auf einmal im Ungleichgewicht zu sein. Man weiss weder ein noch aus. Eine solche Erstreaktion ist völlig normal. Deshalb sollte versucht werden, diese Gefühle, mögen sie noch so extrem sein, zuzulassen.

Die meisten Familien sind, vor einer solchen Diagnose, völlig unwissend in Bezug auf eine solche Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und den entsprechenden Umgang. Oftmals ist zu beobachten, dass man eine Therapie, so wie es der Arzt vorschlägt, möglichst schnell hinter sich bringen will, damit man „die Krankheit los ist“ und sich wieder dem so lieb gewonnen Alltag zuwenden kann. Es ist normal, dass die „Vogel Strauss-Taktik“ angewendet wird, denn es könnte ja sein, dass alles nur ein böser Traum ist.

Leider lässt es sich nicht umgehen, einen persönlichen Prozess zu durchlaufen. Und dies gilt für alle Mitglieder der Familie. Dabei darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass nicht nur der Betroffene gefordert und von Ängsten geplagt wird, sondern auch das unmittelbare Umfeld. Man könnte sagen, dass die Familie „Co-erkrankt“. Dieser Begriff ist aus der Suchttherapie entliehen und beschreibt Personen, die dem Erkrankten nahestehen und sich mit ihm und seiner Krankheit identifizieren resp. solidarisieren.

Geht man vom Beispiel eines Ehepaares aus, wo die Frau an Krebs erkrankt. Es ist häufig folgendes Muster zu erkennen: Die Frau ist verzweifelt, hat Angst und sucht Halt. Der Mann hingegen versucht die Existenz zu erhalten. Er versucht den Alltag zu regeln und mit organisatorischen Mitteln weiter zu funktionieren. Damit das gelingt, darf er seinen Gefühlen keinen freien Lauf lassen, denn sonst verliert er die Kontrolle und entspricht nicht seinen (sich selbst gesetzten) Anforderungen und seinem Denken, einem „sorgenden Ehepartner“ gerecht zu werden. – Die Frau hingegen sehnt sich nach Zuneigung, gemeinsamer Zeit, Gesprächen und Geborgenheit. Diese Bedürfnisse können nicht durch die funktionalen Gebärden des Mannes gedeckt werden. Es lässt sich hier einfach erkennen, dass eine solche Problematik auf die Andersartigkeit zwischen Mann und Frau und deren Rollenverständnis zurückzuführen ist. Die Diagnose einer Krankheit wie Krebs ist also nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern auch eine grosse Herausforderung für jedes Paar.

Auch wenn es zu Anfang genügend Zeit für die Verarbeitung einer solchen Diagnose braucht, so soll doch nicht zu lange auf professionelle Hilfe verzichtet werden. Beide Parteien brauchen einen Gesprächspartner, brauchen Raum um ihren eigenen Gefühlen und Sorgen Luft zu machen, und wo er/sie im Mittelpunkt des Gespräches stehen. Durch eine therapeutische Begleitung, sei dies in Einzel- oder Paarsitzungen, können die gegenseitigen Vorwürfe minimiert resp. relativiert und das Verständnis für den Partner maximiert resp. optimiert werden. Hier sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, dass nicht nur der eigentliche Patient, sondern auch die ganze Familie vor einem neuen Lebensabschnitt steht.

Falls auch Kinder in der Beziehung sind, ist es wichtig offen zu kommunizieren. Dies ist nicht immer zu Beginn möglich und es gibt auch keinen klar definierten Zeitpunkt, welcher als ideal gilt. Abhängig vom Alter der Kinder, dem Verlauf der Krankheit und dem eigenen Umgang, kann sich der zeitliche Aspekt ganz anders gestalten. Lügen Sie Ihre Kinder nicht an, wenn sie fragen, tasten Sie sich langsam und behutsam an das Thema heran und versuchen Sie, die Sachverhalte als auch Ihre eigenen Emotionen so verständlich wie möglich zu vermitteln. Hören Sie auf Ihr Gefühl und Ihre Intuition, denn diese werden Sie auch in Zukunft immer begleiten!

Die Aussage „Sie hat Krebs“, ähnlich der Aussage „Sie hat Familie“ veranschaulicht klar den Identifikationsprozess und die damit verbundenen Risiken. Eine Krankheit kann nicht wegdiskutiert und auch nicht ausgeklammert werden, dennoch darf sie nicht den Platz „eines Familienmitgliedes“ einnehmen. Die Belastung ist gross genug, ohne dass die Krankheit zum Thema Nummer Eins wird. Versuchen Sie deshalb  „Entspannungsinseln“ einzubauen, in welchen Sie sich etwas gönnen, etwas mit der Familie unternehmen oder etwas aufgreifen, das Sie schon immer gerne machen wollten. Gestatten Sie nicht nur der Krankheit einen Platz in Ihrem Leben, sondern auch Ihren Wünschen, Vorstellungen, Hoffnungen und Leidenschaften. Sie werden sehen, dass Sie sich auf diese Weise vielleicht sogar mehr Raum geben als zuvor.

 

Written by geraldine

February 21st, 2017 at 2:59 pm

Schlaf doch mal ein bisschen

Der Schlaf macht derzeit einen Imagewandel durch: Wer schläft, ist nicht faul, sondern smart. Dumm nur: Schlaf wird immer mehr zur Mangelware.

Schlafen ist heute weit mehr als ein simples Grundbedürfnis. Schlafen ist Lifestyle. Matratzen zum Beispiel sind längst eine Wellness-Wissenschaft – von der Luftkern- bis zur Viskoschaummatratze versprechen alle den optimalen Schlaf. Kissen sind nicht bloss Kissen, sondern auf Seiten-, Bauch- und Rückenschläfer individuell abgestimmte Kopfstützenlösungen. Luxushotels locken mit exklusiven «Schlaferlebnissen». Und natürlich gibt es superatmungsaktive Bettwäsche und Biopyjamas.

Ja, die Schlafindustrie boomt. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In einer gestressten Leistungsgesellschaft plagt so gut wie jeden das ungute Gefühl, schlecht und vor allem zu wenig zu schlafen. Fragt sich bloss: Kann man je genug Schlaf bekommen?

Schlafimage im Wandel

Karin Frick schmunzelt. Die 55-Jährige ist leitende Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) in Rüschlikon, das Thema Schlaf gehört zu ihren Fachgebieten. «Tatsächlich schlafen wir in westlichen Ländern heute rund eine Stunde weniger als noch vor zwanzig Jahren. Doch damit allein lässt sich das gefühlte Schlafmanko nicht erklären.» Wahrscheinlich hätten die Menschen früher ähnlich schlecht geschlafen. «Heute aber schenken wir unserer Befindlichkeit viel mehr Aufmerksamkeit als früher», sagt Frick. Fühlen wir uns schlapp, stellen wir die Ernährung um oder gehen joggen. Die neueste Entwicklung in unserem Selbstoptimierungswahn: Wir befassen uns immer mehr mit unserem Schlafverhalten. «Genauso, wie wir heute bewusster essen als noch vor dreissig Jahren, um länger fit zu bleiben, versuchen wir auch gesünder und besser zu schlafen.»

In einer Always-on-Gesellschaft eigentlich nichts als logisch. Schlaf ist die neue Mangelware – und dementsprechend kostbar.

Bereits 2014 hat Frick gemeinsam mit Daniela Tenger eine GDI-Studie zur «Zukunft des Schlafens» verfasst. Heute, zwei Jahre später, zeichnen sich einige der beschriebenen Zukunftstrends bereits im Alltag ab. Zum Beispiel die These «Viel Schlaf wird zum Statussymbol». Laut Frick durchläuft der Schlaf gerade einen Imagewandel. «Wer viel und lange schlief, galt als faul und unnütz, weil man während des Schlafs unproduktiv ist.» Gerade bei Managern war wenig Schlaf ein Leistungsausweis, nach dem Motto: Schlafen ist etwas für Verlierer – die wirklich harten Kerle brauchen keine Erholung. So soll Christoph Blocher bloss drei bis vier Stunden Schlaf brauchen, Ex-Credit-Suisse-CEO Brady Dougan soll sich mit weniger als fünf Stunden topfit gefühlt haben.

Müde sind risikofreudiger

Doch dann kam Topmanagerin Arianna Huffington – und machte den Herren einen Strich durch die Rechnung. Die einflussreiche Gründerin der Onlinezeitung «Huffington Post», 2007 selbst ein Burn-out-Opfer, stempelte die Kurzschlafmentalität danach als «Macho-Idee» ab, mit der sich die Wirtschaftselite selbst etwas vormache. Huffingtons Botschaft: Wer mehr schläft, ist leistungsfähiger.

Das beweisen auch zahlreiche Studien. Weitere Studien haben ergeben, dass übermüdete Menschen zu Optimismus neigen. Sprich: Sie sind in ihren Entscheidungen risikofreudiger, weil sie sich überschätzen, was gerade bei Topmanagern oder Investmentbankern verheerende Folgen für Unternehmen haben kann. «In diesem Sinn ist Schlaf auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor, allerdings setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch», sagt Frick.

Immerhin: Einige Kaderleute bekennen sich neuerdings öffentlich zu mehr Schlaf. Kürzlich sagte Le-Shop-Chef Dominique Locher in der «Bilanz», dass er durchschnittlich sechs bis sieben Stunden Schlaf brauche, um konzentriert durch den Arbeitstag zu kommen. «Würde ich um halb vier aufstehen, würde ich meine Produktivität über den Tag verlieren.» Er gehe weder in aller Herrgottsfrühe joggen – wie wohl manch anderer Kollege –, noch checke er direkt nach dem Aufstehen seine E-Mails. «Mir ist mein Schlaf einfach wichtiger.» Panalpina-Präsident Peter Ulber, der sich während seiner Zeit als Panalpina-CEO in ständig wechselnden Zeitzonen aufhielt, plante seinen Schlaf sogar im Terminkalender ein. Weil er auf ausreichend Schlaf bestehe, richte er seine Businesstermine um seine Schlafslots ein, erzählte Ulber der «Handelszeitung».

Wer schläft, ist ein Gewinner

Schlaf als Schlüsselfaktor für mehr Leistungsfähigkeit gilt aber nicht nur für die Führungsetage. Die Firma VW sperrt schon seit 2012 am Abend und am Wochenende die E-Mail-Server, damit sich Mitarbeitende nicht von zu Hause aus einloggen können. Andere Firmen bieten an, Mails während Abwesenheiten automatisch löschen zu lassen. Mit solchen Massnahmen will man die ständige Erreichbarkeit drosseln, weil sich diese negativ auf den Schlaf auswirkt. Andere Unternehmen haben das Thema Schlaf für ihre Gesundheitsförderungsprogramme entdeckt: So stelle etwa der Versicherer Axa-Winterthur Ruheräume für einen Powernap zur Verfügung, schrieb neulich «20 Minuten».

Viele Alternativen zum Schlaf

Aber lässt sich die drohende Schlaflosigkeit einer 24-Stunden-Gesellschaft mit solchen Mitteln verhindern? «Schlaf wird immer mehr zum raren Gut», ist Frick überzeugt. «Schon deshalb, weil es immer mehr Alternativen zum Schlaf gibt.» Vor der Einführung des elektrischen Lichts gingen alle schlafen, sobald es dunkel wurde. Noch im letzten Jahrhundert war in der Nacht ausser für Discogänger nicht allzu viel los, also gingen auch alle schlafen. Heute hingegen kann man in der Nacht à gogo online shoppen, mit Freunden chatten oder das Internet nach was auch immer durchforsten und sich dabei stundenlang um den Schlaf bringen.

Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen.

Die Zeichen stehen ganz offensichtlich schlecht, dass wir je wieder länger schlafen werden. Die Übermüdung lässt sich aber auch anders bekämpfen.

Frick geht davon aus, dass wir lernen werden, effizienter zu schlafen. Einerseits mit neuen technologischen Hilfsmitteln, andererseits setze sich wahrscheinlich wieder der Trend durch, zweimal oder gar mehrmals innerhalb von 24 Stunden zu schlafen, dafür aber kürzer. Wieder? Ein Mittagsschlaf sei vor der Industrialisierung, also vor der Erfindung der Glühbirne und der Einführung der Taktarbeit, durchaus üblich gewesen, erzählt Frick. Ausserdem sei ein öffentlicher Powernap in asiatischen Ländern während des Tages schon heute üblich.

Aber ist ein solcher Schlafrhythmus wirklich effizienter?

Oder anders gefragt: Was ist eigentlich guter Schlaf? Antworten auf diese Fragen kennt Johannes Mathis, leitender Neurologe im Schlaflabor des Berner Inselspitals. Der 62-Jährige stellt allerdings sofort klar: «Guter Schlaf ist sehr individuell.» Ausserdem würden auch Faktoren wie die Wachhaltefähigkeit mitentscheiden, ob und wie gut ausgeruht sich Menschen fühlen. «Wer zum Beispiel eine gute Wachhaltefähigkeit hat, fühlt sich nicht unbedingt müde, auch wenn er weniger geschlafen hat», sagt Mathis. Es gäbe aber durchaus Richtwerte, wann Schlaf erholsam respektive effizient ist.

Zweimal pro Tag schlafen

Mathis ist überzeugt, dass unsere innere Uhr einem 2-Phasen-Schlafrhythmus folgt – nicht nur in der Kindheit, sondern auch im Erwachsenenalter. «Bevor die Glühbirne erfunden wurde, gingen die Menschen früh am Abend zu Bett und standen oft um Mitternacht auf, um sich zur Geisterstunde zu treffen.» Bauern mit sehr langen Arbeitszeiten würden heute noch häufig den Mittagsschlaf einhalten. «Mittlerweile ist die positive Wirkung eines kurzen Schlafs am Mittag auch wissenschaftlich nachgewiesen.» Mathis empfiehlt deshalb gewissen Patienten mit hohem Schlafbedarf, sich über Mittag bis zu einer halben Stunde hinzulegen. «Zehn Minuten Mittagsschlaf können bei diesen Patienten eine Stunde Nachtschlaf ersetzen», erklärt der Facharzt.

Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf.

Der Trend hin zum kürzeren Vielphasenschlaf wäre also effizienter als der nächtliche Monoschlaf, zumal wir gegen Morgen immer oberflächlicher schlafen, wie ein Blick auf das menschliche Schlafprofil zeigt. Mathis erklärt das Diagramm: Nach rund einer halben Stunde sinken wir in den erholsamen Tiefschlaf. Diese erste Phase ist am tiefsten und dauert rund eine Stunde. Danach tritt mehr oberflächlicher Schlaf oder Traumschlaf (REM) auf. Die Phasen wechseln sich stetig ab. «Während der Nacht wird der Tiefschlaf aber immer schwächer, der Traumschlaf und auch der oberflächliche Schlaf immer häufiger», fasst Johannes Mathis zusammen.

Wann ist Schlaf erholsam?

Allerdings, gibt der Neurologe zu bedenken, sei der Mensch in seinem Schlafverhalten nicht grenzenlos flexibel. Zeitgeber wie Licht, Aktivitäten oder Mahlzeiten beeinflussten den Schlaf-Wach-Rhythmus. Unsere innere Uhr, die die optimalen Zeiten für den Schlaf- und den Wachzustand steuert, richte sich nach den äusseren Zeitgebern. Sie könne aber nur sehr träge über längere Zeit durch die äusseren Einflüsse verschoben werden. «Der erholsame Schlaf ist deswegen auf eine genaue Regelmässigkeit angewiesen», so Mathis. Kommt hinzu: Wer zum Beispiel vor einem wichtigen Meeting nervös ist, kann sich schlecht eine halbe Stunde entspannt hinlegen.

Schlafmanko als Kostenfaktor

Dass wir heute schlechter schlafen als früher, kann Mathis nur vermuten. Moderne Schlafmedizin mit Schlaflabors für Patienten gibt es in der Schweiz erst seit dreissig Jahren, Mathis gehört zu den Pionieren. «Es gibt sicher einen Zusammenhang zwischen Forschungsergebnissen über Schlafkrankheiten und der Sensibilisierung der Gesellschaft auf Schlafstörungen.» Denn oft nimmt man ein Problem erst wahr, wenn es auch einen Namen hat. Heute unterscheidet die Medizin rund achtzig Schlafkrankheiten. Man weiss, dass Schlafmangel zu höherem Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, zu vermehrtem Auftreten einiger Krebsarten führen und sogar Übergewicht verursachen kann.

Ironischerweise lautet eine der Thesen, die Frick und Tenger in ihrer Zukunftsstudie aufgestellt haben, «Übermüdung wird das neue Übergewicht». Gemeint ist, so Frick, dass sich Schlafmangel – wie heute Übergewicht – bald zum grössten Gesundheitsproblem der westlichen Welt entwickeln könnte. Heute ist rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung von Schlafproblemen betroffen. «Wenn das so weitergeht, wird die schlaflose Gesellschaft zu einem kollektiven Gesundheitsproblem – und damit auch eine Herausforderung für die Politik und ein Kostenfaktor», erläutert Frick. Die Forscherin geht davon aus, dass «Schlaf zu einem zentralen Pfeiler der Gesundheitsvorsorge» wird. «Eigentlich müsste es künftig staatlich koordinierte Pro-Schlaf-Kampagnen geben, analog zu den Anti-Raucher-Kampagnen.»

Klingt nach einem Schlaf-Eldorado – insbesondere für die schon heute boomende Schlafindustrie.

Karin Frick denkt, dass das Bedürfnis nach schlafoptimierenden Tools und entsprechender Beratung den Markt noch weiter wachsen lassen wird. Heute bereits erhältlich sind verschiedene Schlaf-Tracking-Apps, mit denen sich der eigene Schlaf messen und so auch besser kontrollieren lässt. Eine US-Firma hat sogar schon eine Schlafmaske entwickelt, die ihre Benutzer direkt in den Tiefschlaf katapultiert.

Die Trendforscherin kann sich gut vorstellen, dass es künftig auch smarte Bettsysteme geben wird. Matratzen, Kissen, Bett wäsche und Pyjamas werden mit Sensoren ausgestattet sein, die den Schlaf permanent optimieren, indem sie untereinander Daten austauschen. Im Lifestylebereich wären für Frick «Concept Stores» denkbar, die ihr Angebot ganz auf das Thema Schlafen ausrichten und in denen «Masters of Sleep» die Kunden beraten, wie sie sich zum smarten Schlafen am besten einrichten. Nicht zu vergessen die ganze Hotelbranche, die zum Beispiel individuell durchgestylte Wellness-Schlafpakete anbieten könnte.

Schlafen wird öffentlich

«Schlafen könnte auch eine öffentliche Angelegenheit werden», doppelt Frick nach. Sie denkt nicht an Parks oder Zugabteile, sondern an neue Schlafstätten für Powernaps, sollte sich in unseren Breitengraden die Idee des gesunden Zwischendurchschlafs durchsetzen. «Wir wür den nicht nur zu Hause schlafen, sondern wie zum Beispiel in Japan auch in Schlafkapseln oder in Stundenhotels, in denen man für eine bestimmte Zeit eine Schlafgelegenheit mieten könnte.» Klingt abgefahren? Abwegig ist dieser Gedanke jedenfalls nicht. Schon heute gibt es in der Schweiz mehrere Tageshotels, in denen man sich für einige Stunden Erholung gönnen kann.

Das Nonplusultra punkto Schlaf wäre allerdings etwas viel Praktischeres, findet Frick.

«Eine kleine Pille, die uns zu jeder beliebigen Tageszeit und für genau die gewünschte Dauer gleich nach dem Einwerfen in einen erholsamen Tiefschlaf versetzt.» Leider sehen sowohl Schlafmediziner wie auch Zukunftsforscher ausgerechnet in dieser Sache schwarz.

 

Quelle: Berner Zeitung

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt (Ludwig Wittgenstein)

Aufgrund unserer Herkunft, Disposition, Fähigkeiten und sozialen Prägungen ist „Sprache“ ein relativer Begriff. Basil Bernstein (britischer Soziolinguist, 1924 – 2000) hat in seinen Forschungen unter anderem festgestellt, dass die Bedeutung eines Wortes oder Begriffes je nach Perspektive (welche sich durch die persönliche Historie ergibt) unterschiedlicher nicht sein kann. Eine Untersuchung mit Studenten aus zwei sozial verschiedenen Herkunftsgruppen stellen sich ganz unterschiedliche Dinge unter einem Wort vor. Am grössten waren die Unterschiede beim Wort „tüchtig“. Beim Wort tüchtig dachten Handwerkerkinder in der Regel an Eigenschaften, die mit Weltgewandtheit und Dominanz zu tun haben und Beamtenkinder dagegen dachten an Eigenschaften, die mit körperlicher Leistungsfähigkeit und Charakterfestigkeit zu tun hatten.

Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass sprachliche Subjektivität und das sich daraus ergebende Potential von Fehlinterpretation Kommunikation immer wieder schwierig macht. Das linguistische Phänomen der „Black Box“ besagt: Egal, was Sender und Empfänger kommunizieren, dazwischen liegt immer der „Faktor Unbekannt“. Im Rahmen dieses „Faktor Unbekannt“ wird die Anpassung an das eigene Sprach-, Verständnis-, und Wahrnehmungsvermögen vorgenommen um, subjektiverweise, adäquat auf die Sendung des Gegenübers zu reagieren. Diese Modifikation führt zu einer mehr oder minder starken Verzerrung des gemeinsamen Kommunikationsprozesses.

Wir alle kennen Missverständnisse oder Verständigungsschwierigkeiten aus dem Alltag. Klarheit ist also gefragt. Wie aber soll das möglich sein, wenn zwei Menschen nur bedingt dieselbe Sprache sprechen und eventuell sogar dazu neigen, das Ausgesprochene unbewusst zu Gunsten des eigenen Verständnisses umzuformen?

In sprachlicher Hinsicht ist es gerade in Konfliktsituationen unabdingbar, die Sprache respektive Sprachfragmente, unseres Gegenübers aufzunehmen und wiederzugeben. Auf diese Weise wird erstens Sprachgleichheit geschaffen, die dazu dient, Reflektion und Prozess zu ermöglichen. Zweitens wird so weniger interpretiert oder verglichen. Dennoch ist kein Mensch frei von Wertung oder verfügt über ein derart erhabenes Bewusstsein, dass dies immer gelingt. Die Achtsamkeit gegenüber dieser Gefahr macht jedoch den Rahmen aus, welchen es benötigt um schwierige Gespräche zu führen und dabei ein Gefühl von Aufrichtigkeit zu bewahren. – Schlussendlich ist aber eines klar: Emotionale Themen sowie Gespräche über unsere persönliche Wirklichkeit und unser eigenes Erleben lassen sich NIE mit richtig oder falsch klassieren. Beide Gesprächspartner haben recht, oder auch nicht, denn: Jeder von uns konstruiert seine eigene Wirklichkeit.

In einer Kurzgeschichte beschreibt Paul Watzlawick einen Mann, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem man sich nach dem Grund für dieses merkwürdige Verhalten erkundigt hat, erklärt dieser: „Ich verscheuche Elefanten.“ Auf den Hinweis, es gebe hier doch gar keine Elefanten, antwortet der Mann: „Na, also! Sehen Sie?“

Die Angst vor dem Scheitern

Ich sitze hier, weiss das ich in knapp einer Stunde ein 1-minütiges Referat halten soll. Eigentlich nichts Grosses. Aber ganz ehrlich: Ich mache mir fast in die Hosen.

Tag täglich predige ich von Gelassenheit, von der Kunst des tiefen Atemzuges und dem Zauber der Achtsamkeit. Und jetzt, alles weg!

Eine Minute ist nichts. Oder zumindest viel weniger als dreissig. Aber in der Vorahnung dieser einen Minuten verschmilzt alles: Der Inhalt dessen was ich sagen will, meine Nervosität, meine Angst nichts Schlaues von mir zu geben oder halt eben die Angst vor der Sprachlosigkeit, der inneren Leere.

Was kann da Abhilfe schaffen? Nur Eines: Augen zu und durch!

 

Written by geraldine

June 21st, 2016 at 12:57 pm