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Diagnose Fibromyalgie. Und jetzt, wie weiter?

Die Fibromyalgie ist eine chronische, schmerzhafte und nicht-entzündliche Erkrankung des Bewegungsapparates, betroffen sind Muskeln, Sehnen und Bänder. Man redet auch von Weichteil-Rheumatismus da die Gelenke nicht betroffen sind. Das Typische an der Fibromyalgie sind starke Schmerzen vor allem im Bereich der Muskulatur und der Sehnenansätze mit Druckschmerzen an definierten Punkten (Tender points).

Dazu kommen häufig vegetative Symptome wie Übelkeit oder Schlaflosigkeit. Vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren leiden darunter. Doch auch Jugendliche und ältere Menschen nach den Wechseljahren können betroffen sein.

Der Umstand, dass es sich bei der Fibromyalgie um eine schleichende und unauffällige Erkrankung handelt, die sich nicht kontinuierlich verschlimmert, erschwert den Umgang damit. Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Schmerzen, ohne zu wissen, woher diese kommen und wie sie therapiert werden können. Oftmals dauert es Jahre, bis sich das Vollbild der Erkrankung zeigt und eine Diagnose gestellt werden kann. Bis dahin wird in der Regel die Ausschlussdiagnose angewendet, die zumindest den Vorteil der Entwarnung in Bezug auf viele andere Krankheiten bietet.

Fibromyalgie-Patienten haben aufgrund der problematischen Diagnose oft Schwierigkeiten, als arbeitsunfähig oder nur beschränkt arbeitsfähig anerkannt zu werden. Das wiederum führt nicht selten zu großen sozialen, beziehungsweise finanziellen Missständen. Die Krankheit ist nicht lebensbedrohlich, kann jedoch unter Umständen zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Sowohl die Ursache der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung sind ungeklärt. Es besteht eine Vielfalt von Befunden, die genetische, hormonelle, psychische und weitere Faktoren betreffen. In der Zusammenschau der Befunde wird derzeit vorwiegend eine Störung der Schmerz verarbeitenden Systeme im zentralen Nervensystem mit der Folge einer geringeren Schmerzschwelle diskutiert.

Bei Patienten mit Fibromyalgie liegen überdurchschnittlich häufig psychische Beschwerden wie Depressivität und Ängstlichkeit vor. Es ist ungeklärt und Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, inwieweit diese psychischen Störungen selbst Folge der chronischen Schmerzen sind – oder aber die Symptome der Fibromyalgie eine zugrundeliegende psychischen Belastung reflektieren.

Die Fibromyalgie ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar. Deshalb baut das heutige Behandlungskonzept auf der multimodalen Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung auf. Ziele der Maßnahmen sind hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und damit der Lebensqualität sowie die Minderung und Linderung der Beschwerden. Das Beschwerdebild besteht ein Leben lang. Deshalb werden insbesondere Behandlungsmassnahmen empfohlen, die vom Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können (Selbstmanagement), die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.

Danach werden folgende mögliche Behandlungen und Maßnahmen, die auf den jeweils Betroffenen individuell abgestimmt werden müssen, empfohlen:

 

  • Patientenschulung, Nutzung der Möglichkeiten von Selbsthilfeorganisationen
  • kognitiv-verhaltenstherapeutische Schmerztherapie
  • eine ausreichende schmerzlindernde Therapie unter Einsatz von Antidepressiva (schulmedizinisch und/oder pflanzlich)
  • körperliches Training hat auf die Befindlichkeit einen guten Einfluss. Geeignet sind deshalb Walken, Radfahren, Langlauf oder auch Schwimmen
  • psychologische Therapie oder sanfte Körperarbeit
  • Bäder und Badekuren als auch Ganzkörperwärmetherapie (Sauna, Thermalbäder)
  • Entspannungsverfahren zur Verbesserung des Schlafes wie auch der Stressbewältigung. Hierzu können autogenes Training, Meditation oder Yoga und ähnliche Techniken hilfreich sein

Die Fibromyalgie kann bis heute nicht geheilt werden. Dennoch ist es für jeden Klienten und jede Klientin möglich, Lebensqualität zurückzugewinnen und diese aufrechtzuerhalten. Und vielleicht ist sogar die Tatsache, dass Schmerzfreiheit nicht selbstverständlich ist, eine Chance, um die kleinen und schönen Dinge des Lebens mehr zu schätzen.

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Written by geraldine

April 27th, 2016 at 11:28 am

Posted in Körpertherapie

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