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Keine Ratschläge

Menschen verteilen gerne Ratschläge. Offenbar fühlen wir uns gesehen, geschmeichelt und klug, wenn wir anderen sagen dürfen, was wir an ihrer Stelle tun würden. Das hat auch damit zu tun das wir oft klüger sind, wenn wir anderen Ratschäge geben, als wenn wir selber Entscheidungen treffen, weil wir mehr Abstand zu den Problemen anderer Menschen haben als zu unseren eigenen.

Allerdings: Oft helfen Ratschläge nicht wirklich weiter.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vielleicht wurden wir gar nicht um Rat gefragt. Vielleicht haben wir keine Ahnung vom Thema. Oder vom Gegenüber. Oft passiert beim Ratgeben auch das, was der Soziologe Charles Derber Gesprächsnarzissmus nannte: Wenn wir jemanden zu etwas raten, geht es eigentlich um uns selber. Wir wollen zeigen wie lebenserfahren und einfühlsam wir sind. Wir haben das Gefühl, dass wir auch schon mal so etwas erlebt haben und wüssten, was zu machen ist. Aber wir wissen es nicht. Denn es ist nicht dassele. Es ist nie dasselbe. Jede Erfahrung ist individuell.

Wenn wir ehrlich sind, ist es wohl oft auch so, dass wir gar keinen Rat brauchen. Wir wollen bloss erzählen, wie es uns geht. Dass wir vor einer grossen Aufgabe stehen. Oder in der Klemme stecken.

Wenn wir erzählen, wie erschöpft wird sind, heisst das nicht, dass wir fragen, was man dagegen tun kann. Wir suchen in solchen Momenten nicht nach Rat, sondern nach Mitgefühl. Wir wollen nicht hören, was das Gegenüber denkt, sondern wir wollen, dass es zuhört. Und dieses Zuhören ist wesentlich wichtiger und hilfreicher als ein konkreter Rat.

Das Grösste, was Sie einer Person schenken können: ihr einfach zuhören, ohne sie zu unterbrechen.

 

Quelle: Krogerus & Tschäppeler

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Written by geraldine

September 6th, 2022 at 1:56 pm

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