«Hier und Jetzt»: der Blog

Drei wichtige Dinge pro Tag

 

Die Zeit-Expertin Anna Jelen empfiehlt, höchstens zwei Mal pro Tag die Mails zu checken und sich auf drei wichtige Aufgaben zu konzentrieren. Hier ein kurzen Auszug aus dem am 14. Januar 2018 im TagesAnzeiger erschienen Interview:

Den Tag pflücken und den Moment geniessen?

Ich empfehle nicht, nur im Moment zu leben – würden wir uns darauf beschränken, hätten wir keine Motivation, etwas aufzubauen, mittelfristig auf etwas hinzuarbeiten. Wir können nicht permanent so leben, als wären wir morgen tot, aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, mit gutem Zeitmanagement allein würden wir unser Zeitproblem in den Griff bekommen. Wenn wir nicht lernen, mehr Nein zu sagen, uns auf wenige wichtige Dinge zu konzentrieren, unser eigenes Lebensbuch zu schreiben, dann brennen wir früher oder später aus oder verpassen unser Leben.

Sie halten also nichts von klassischen Zeitmanagement-Techniken?

Damit werden wir effizienter, aber das ist kein Ausweg aus dem tieferliegenden Dilemma.Mit dem Soziologen Hartmut Rosa bin ich überzeugt, dass es kein individuelles Zeitmanagement-Problem gibt, sondern eine strukturelle gesellschaftliche Herausforderung, die uns zum Umdenken zwingt. Die Beschleunigung des sozialen Wandels, des Lebensrhythmus’ und der Technologie erzeugen weltweit Zeitkrisen. Dazu kommt die Explosion der Möglichkeiten, die uns freier macht, aber auch den Entscheidungsdruck erhöht. Das alles können wir nicht durch klassisches Zeitmanagement meistern. Denn dieses ändert nichts am beklemmenden Gefühl vieler Menschen, sie hätten zu wenig Zeit, ihnen laufe die Zeit davon. Solange wir die Uhr ticken hören, sind wir lebendig und haben Zeit zur freien Verfügung. Die wesentliche Frage ist, wie wir mit ihr umgehen, wofür wir sie nutzen. Wir leben global in einer Zeitkrise und niemand redet davon.

Wie schützen Sie sich konkret davor, dass die Zeit ungenutzt verstreicht und sich Ihr Terminkalender zu sehr füllt?

Ich konzentriere mich darauf, täglich Momente zu kreieren, an die ich mich abends mit Dankbarkeit erinnern werde. Das bedingt eine klare Struktur und Disziplin in der Ausarbeitung und Einhaltung einiger Regeln. So starte ich praktisch nie ohne mein Morgenritual oder Spaziergang in den Tag. Beides steht ganz im Zeichen einer einzigen Frage: «Wie möchte ich mich am Ende dieses Tages fühlen?» Daraus leitet sich alles Weitere ab. Das Geheimnis liegt in der Beschränkung – wir sollten «Not to do»-Listen führen statt viel zu lange «To do»-Listen zu erstellen, die uns frustrieren. Ich nehme mir nie mehr als drei wichtige Dinge pro Tag vor, sage also zur Mehrheit der Möglichkeiten Nein. Und lasse viele Zeitpuffer offen für Unvorhergesehenes. Durch diese morgendliche Ausrichtung starte ich mit Elan und einem Adlerblick in den Tag und vermeide es, mich in der Arbeit oder der Zerstreuung zu verlieren.

Quelle:
“40 tickende Uhren erinnern mich an meine Verantwortung”
TagesAnzeiger, Beruf und Berufung
Mathias Morgenthaler

Written by geraldine

January 14th, 2018 at 12:42 pm

Den ganzen Tag macht sich der Mensch Gedanken

Den ganzen Tag macht sich der Mensch Gedanken. Meist alles andere als erbauliche: «Meine Nachbarin hat mich heute nicht gegrüsst. Hat sie was gegen mich? Es kratzt im Hals. Hoffentlich werde ich nicht krank. Was wird mein Chef denken, wenn ich schon wieder fehle? Ich bin eine miserable Angestellte.» Dieses Gedankenradio läuft ständig im Hintergrund, während wir essen, arbeiten, die Zähne putzen oder versuchen einzuschlafen. Der englische Mediziner und Bestsellerautor Russ Harris nennt es den «Ojemine-Sender». Dieser warnt uns vor möglichen Gefahren, erinnert uns an schlechte, vergangene Ereignisse oder teilt uns mit, was alles mit uns nicht stimmt.

Doch weshalb sendet unser Hirn ständig dieses unerfreuliche Programm? Russ Harris erklärt das Phänomen in seinem Buch «Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei» durch die Evolutionsgeschichte. Unser Verstand sei darauf ausgelegt, sich Sorgen zu machen. Unseren Vorfahren in der Wildnis half das, zu überleben. Die Gefahren haben sich jedoch gewandelt: Statt vor dem Säbelzahntiger fürchten wir uns heute davor, unseren Job zu verlieren oder an Krebs zu erkranken. Tief verwurzelt ist bis heute die Angst, den Erwartungen anderer nicht zu entsprechen. Auch das hat einen evolutionären Grund: Für die Urmenschen bedeutete es den sicheren Tod, aus der Sippe ausgeschlossen zu werden.

Erst zulassen, dann handeln

Leider hat das Ojemine-Radio keinen Knopf zum Ausschalten. Also wenden wir andere Strategien an: Wir schieben die schlechten Gedanken und Gefühle von uns, ignorieren sie, lenken uns von ihnen ab, betäuben sie oder versuchen sie durch positive Gedanken zu ersetzen. Aber: «Diese Kontrollstrategien funktionieren meist nur kurzfristig», sagt Klaus Bader, Leiter der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. «Langfristig vergrössern und verlängern sie häufig das Leiden.» Mit anderen Worten: Je krampfhafter wir versuchen, das Radio zum Verstummen zu bringen, desto lauter dudelt es vor sich hin.

Diesen Teufelskreis versucht ein Ansatz aus der Psychotherapie namens ACT zu durchbrechen. ACT steht für Akzeptanz- und Commitment-Therapie (engl. commitment = Engagement). Deren Vertreter schlagen vor, negatives Denken und Fühlen zuzulassen, anstatt zu bekämpfen. «Das bedeutet nicht, die Zähne zusammenzubeissen und das Leiden passiv zu erdulden», sagt der Psychotherapeut Klaus Bader. «Sondern offen zu sein für alles, was gerade an Erfahrungen da ist.» Kommt also zum Beispiel Angst auf, kann man versuchen zu beobachten, wo die Empfindung zu spüren ist, wie sie sich anfühlt und ob sie sich verändert. So lässt sich erkennen, dass solche Gefühle von allein kommen und auch wieder von allein verschwinden.

Bei ACT geht es ausserdem darum, sich um das zu kümmern, was einem wirklich am Herzen liegt – auch wenn sich das nicht immer angenehm anfühlt. «ACT hilft den Menschen zu formulieren, was ihnen wichtig ist im Leben, und diese Werte durch engagiertes Handeln zu leben», sagt Klaus Bader. Werte wie «Dankbarkeit», «Familie» oder «der Umwelt Sorge tragen» dienen als Leuchttürme, die dem Leben auch in schwierigen Zeiten eine Richtung geben.

ACT (ausgesprochen wie das englische Wort «act» = handeln) wurde vom amerikanischen Psychologieprofessor Steven Hayes und Kollegen in den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelt, um psychische Störungen zu behandeln. Wie erfolgreich der Ansatz ist, zeigen knapp 200 weltweit durchgeführte Studien. Insbesondere bei Depressionen, Angst- und Essstörungen, Drogenmissbrauch, chronischen Schmerzen, psychotischen Symptomen und bei Partnerschaftsproblemen konnte die Wirksamkeit nachgewiesen werden. ACT eignet sich aber nicht nur für Patienten mit psychischen Störungen, sondern für alle Menschen. «Menschsein bedeutet auch Leiden», sagt der Winterthurer Psychiater und ACT-Trainer Jan Martz. «ACT hilft, besser mit dem Leiden umzugehen und ein erfülltes Leben zu führen.»

ACT ist vor allem in den USA, Australien, Grossbritannien, Skandinavien, Spanien und den Niederlanden weit verbreitet. Auch in der Schweiz fasst die Therapie langsam Fuss. Pioniere sind die Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel, wo ACT im Jahr 2012 in das Behandlungskonzept mit aufgenommen wurde. Heute arbeiten weitere Spitäler wie etwa das Psychiatriezentrum Münsingen BE oder die Klinik Barmelweid AG mit ACT, ebenso eine wachsende Zahl niedergelassener Therapeuten mit eigener Praxis.

Zudem existieren viele Selbsthilfebücher, die sich an ein breites Publikum richten. Gerade hat eine Studie der Universität Basel gezeigt, dass das Durcharbeiten eines ACT-Buches Stress, Burn-out und Depressionssymptome reduzieren kann.

Die ACT-Therapie umfasst verschiedene Elemente, die alle miteinander verbunden sind. Akzeptanz ist eines davon. Ziel ist dabei nicht, schlechte Gefühle nie mehr zu bekämpfen oder zu vermeiden. Solche Kontrollmethoden sind laut dem Psychotherapeuten Jan Martz vor allem dann problematisch, wenn sie einen davon abhalten, Dinge zu tun, die einem wichtig sind. Dies ist etwa dann der Fall, wenn jemand gerne Freundschaften pflegen würde, aber aus Angst vor Ablehnung sich mit niemandem verabredet. Oder wenn jemand, der gerne reist, aus Angst vor dem Fliegen zu Hause bleibt. Geübt wird in der ACT-Therapie auch die sogenannte Entschärfung.

Dabei geht es darum, sich von seinen negativen Gedanken nicht mehr so stark einnehmen zu lassen. «Oft verschmelzen wir mit unseren Gedanken. Wir glauben, sie seien die einzige Wahrheit», sagt Jan Martz. «Unsere Gedanken sind jedoch lediglich Geschichten, die wahr sein können oder auch nicht.» Ob sie der Wirklichkeit entsprechen, ist für ACT-Therapeuten wie Jan Martz gar nicht zentral. «Wichtig ist vor allem, ob sie hilfreich sind», sagt er. «Sind sie es nicht, lohnt es sich, die Gedanken zu entschärfen.» Das heisst, sie als das anzusehen, was sie sind: Worte, die einem gerade durch den Kopf gehen.

Um die Entschärfung zu erleichtern, stellt ACT verschiedene Techniken bereit. Kommt etwa der Satz «Ich bin wertlos» auf, kann man sich sagen: «Ich merke gerade, dass ich den Gedanken habe, wertlos zu sein.» So gelingt es, Abstand zwischen sich und dem Gedanken herzustellen. Manchmal verlieren wir uns regelrecht in unseren Gedanken und versäumen dabei die Gegenwart. Um das zu verhindern, kann Achtsamkeit eine Hilfe sein, ein weiterer Pfeiler von ACT. «Hier geht es darum, sich immer wieder bewusst dem gegenwärtigen Geschehen zuzuwenden», erklärt Jan Martz. Das sei oft nicht einfach und brauche Übung. «Wir Menschen neigen dazu, mit den Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu sein. Handlungsfähig sind wir aber nur im jetzigen Moment.»

Ist es gelungen, das innere Ojemine-Gedudel zu akzeptieren, zu entschärfen und im Alltag präsenter zu sein, kann der Mensch besser das umsetzen, was ihm wichtig ist: «Das Ziel ist, sich von seinen Herzenswünschen leiten zu lassen anstatt von seinen Ängsten», sagt ACT-Therapeut Klaus Bader.

Schritt für Schritt

Nicht immer gelinge es den Menschen, auf Anhieb zu benennen, was ihnen wirklich wichtig ist. «Werte wie Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit oder gesunde Ernährung sollten frei gewählt sein und nicht einfach vom Elternhaus oder von der Gesellschaft übernommen werden.» Herauszufinden, ob die eigenen Werte wirklich von Herzen kommen, sei oft der schwierigste Teil, sagt Klaus Bader. Sind die Werte einmal formuliert, werden sie mithilfe des Therapeuten in konkretes Handeln übersetzt. Das bedeutet nicht, dass man gleich sein ganzes Leben umkrempeln muss. «Kleine Schritte, die keine Überforderung darstellen, genügen», sagt Jan Martz.

Eine depressive Patientin, der die Beziehung zu ihrem Mann wichtig ist, kann sich etwa vornehmen, jeden Tag einen kurzen Spaziergang mit ihm zu machen, auch wenn sie sich antriebslos fühlt. Und ein Banker, dem Fürsorge wichtig ist, muss sich nicht gleich zum Sozialarbeiter umschulen lassen. Er kann versuchen, seinen Mitarbeitern helfend zur Seite zu stehen. Oder diesen Wert in anderen Bereichen wie in der Familie umzusetzen. Nicht nur kleine Schritte, auch Fehltritte sind erlaubt, schreibt der englische Psychotherapeut Russ Harris in seinem Buch. «Commitment bedeutet, dass Sie, wenn Sie straucheln oder vom Weg abkommen – was unausweichlich ist –, einfach wieder aufstehen, sich orientieren und weiter in die Richtung gehen, in die Sie gehen wollen.»

Quelle: TagesAnzeiger, 08.12.2017

Written by geraldine

December 8th, 2017 at 2:43 pm

Wer eilt erreicht als erster das Grab.

(Spanisches Sprichwort)

Schnelle Orte, schnelle Firmen, schnelle Menschen. Das Lebenstempo hat weitreichende Konsequenzen für die Lebensqualität. Es beeinflusst die körperliche und seelische Gesundheit der Menschen und des sozialen Wohlbefindens. Aber diese Konsequenzen spalten sich häufig in Plus- und Minuspunkte auf. Jedes Tempo hat Vor- und Nachteile.

Mitte der fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts bemerkten zwei Herzspezialisten in San Francisco, Meyer Friedman und Ray Rosenman, dass die Herzpatienten in ihrem Wartezimmer angespannter wirkten, als andere Patienten. Genauer gesagt hatten Friedman und Rosenman diese Erkenntnis einem Polsterer zu verdanken, der sie auf die merkwürdige Tatsache hinwies, dass die Stühle in ihrem Wartezimmer lediglich vorn an den Kanten der Sitze abgewetzt waren. Einer spontanen Eingebung folgend leiteten sie ein Untersuchungsprogramm in die Wege, um die bis dahin nahezu unerforschte Frage zu prüfen ob seelischer Stress signifikant zur Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes beitragen könnte.

In einer ihrer ersten Untersuchungen prüften Friedman und Rosenman den Cholesteringehalt im Blut von Steuerbeamten von Januar bis Juni. Deren Essverhalten und das Pensum an Bewegung änderte sich in dieser Zeit nicht. Aber in den ersten beiden Aprilwochen, als der Abgabetermin für die Einkommensteuererklärung – der 15. April – und der damit verbundene Stress näherrückten, stieg ihr durchschnittlicher Cholesterinspiegel sprunghaft an, und die Neigung zu Blutgerinnseln nahm zu. Im Mai und Juni waren die Werte wieder auf ihren normalen Stand gesunken.

Die beiden Herzspezialisten schlossen daraus, dass manche Menschen in einer selbsterzeugten Haltung chronischer innerer Spannung leben. Die stressgeplagten Patienten in ihrem Wartezimmer fühlen sich immer wie die Steuerbeamten Mitte April.

Bei Menschen die immer unter Zeitdruck stehen, getrieben sind und sich konkurrenziert fühlen, ist die Wahrscheinlichkeit an einer Herzkrankheit zu erleiden siebenmal höher als anderen Menschen (Levine, 1999). Ein von Eile geprägtes Lebenstempo, schnelles gehen und essen, wenig Geduld und sogenanntes „Multitasking“ gehören zu den Elemente, die Sie zwar „erfolgreich“ (dieser Begriff ist sehr relativ zu verstehen) aber auch hellhörig machen sollten.

Ja, wir leben in einer Zeit in welcher alles schneller gehen soll. Und das ist nicht nur schlecht. Ein hohes Tempo gibt uns das Gefühl von Vitalität und Dynamik, eventuell auch ein Gefühl von Sinn und Erfüllung. Geniessen Sie also die Zeiten in welchen Ihnen die „temporeichen Herausforderungen“ Spass machen und Befriedigung geben. Aber bleiben Sie auch ehrlich: Ab und zu innehalten hat noch nie jemandem geschadet.

 

Written by geraldine

November 9th, 2017 at 1:02 pm

Stressbewältigung – Der Körper braucht Anspannung ebenso wie Entspannung

Die Scheu vor Körperlichkeit scheint trotz allen Fortschritts in unserer medizinischen Kultur noch weit verbreitet zu sein: Der Körper soll beherrschbar sein und mit immer besseren Instrumenten und Medikamenten gesteuert und repariert werden. Manchmal ist das notwendig und sinnvoll. Was dabei jedoch verloren geht, ist die Fähigkeit, instinktives Wissen darüber was uns gut tut und was nicht, einzusetzen. Frühzeitige Warnsignale des Körpers werden nicht mehr erkannt oder auch ignoriert. Erst wenn der Magen schon wieder brennt, die Panikattacken das Leben einengen oder die Rückenschmerzen die tägliche Arbeit unmöglich machen, wollen wir handeln.

Eine bessere Selbstwahrnehmung und das Vertrauen in den Sinn der eigenen körperlichen Regungen zu stärken, ist ein wichtiger Aspekt der Körpertherapie. Dies geschieht vor allem über Gefühle und Empfindungen und weniger über den Intellekt. Ähnlich wie ein Kleinkind, das Berührung, Bewegung und Spiegelung braucht, um zu erfahren, wer es ist und was es kann, kann auch der erwachsene Mensch sein Selbst-Verständnis wieder neu entwickeln und trainieren. Viele Krankheiten, Beschwerden und Stimmungen entwickeln sich über stressauslösende Erfahrungen. Zumeist sind diese nicht in unserem Bewusstsein. Doch der Körper vergisst nicht. Positive wie auch negative Erfahrungen bleiben als Körpererinnerung in Form von Gefühlen, Spannungszuständen, Ahnungen oder inneren Bildern gespeichert.

Eine fundierte Körpertherapie führt Sie deshalb behutsam in eine Art vorsprachliche Empfindungswelt zurück. Der Körper kann so seine Art zu reagieren neu erkunden. Diese Körper-Selbst-Erfahrung regt Ihr System dazu an, bewusst und vegetativ wieder auf seine ureigenen alten, „gesunden“ Reaktionsweisen zurück zu greifen. So kann die Selbstregulierung des Körpers wieder erwachen und Stress verursachenden Konflikten kann auf andere Art begegnet werden.

 

Die physiologische Basis: Der Körper braucht Anspannung ebenso wie Entspannung

Stress ist auf vielfältige Weise fester Bestandteil unseres Lebens: Hunger verursacht Stress, Kälte und Hitze machen Stress, Einsamkeit sowie unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit sorgen für Stress. Und ebenso leiden wir unter Stress, wenn wir den Arbeitsplatz verlieren, wenn wir uns streiten, den Tod eines Partners verkraften müssen oder mit anderen traumatisierenden Erlebnissen konfrontiert sind. Stress kann krank machen und Krankheit bedeutet für den Körper ebenfalls Stress. Unser Körper reagiert darauf mit der Ausschüttung so genannter Stresshormone. Diese waren zu Urzeiten des Menschen u. a. dazu da, die Energiereserven des Körpers etwa für die Flucht vor oder den Kampf mit einem wilden Tier zu mobilisieren.

Stresshormone sind in der Lage, einen Menschen für eine bestimmte Zeit über sich und seine Kräfte hinaus wachsen zu lassen. Ebenso vermögen sie es, ihn in die Starre eines erjagten Tieres zu versetzen.

Sofern nach besonderen Belastungen Phasen der Entspannung, des Wohlfühlens oder des Geniessens einsetzen können, kann unser Organismus von Zeit zu Zeit mit Stressbelastungen durchaus gut umgehen. Schwierig wird es dagegen, wenn Konflikte chronisch ungelöst bleiben. Dann nämlich werden Stresshormone nicht mehr abgebaut sondern fortwährend neu ausgeschüttet. Auf diese Weise versetzen sie den Körper in den Alarmzustand andauernder Über- oder Unterspannung. Der Körper lebt unter Dauerstress viel zu lange Zeit über seine Kräfte oder leidet unter zu wenig Antrieb. Dabei verfestigen sich körperliche und geistige Haltungen, die den Zweck haben, alte Schmerzen, seelische Verletzungen oder andauernde Verspannungen nicht mehr in aller Tragweite zu spüren. Es entstehen innere und äussere Schonhaltungen, die uns längerfristig aus dem Gleichgewicht bringen und psychische oder psychosomatische Beschwerden auslösen.

 

Stressbewältigung durch Körpertherapie

Mittels der Körpertherapie finden Sie Möglichkeiten, zur Stressbewältigung. Entspannung und Gelassenheit (wieder-)zuerlernen können dabei ebenso wichtig sein wie die Entdeckung von Neugierde und Begeisterung. Die Wiederherstellung eines gesunden physiologischen und psychischen Gleichgewichts bedeutet, das „Zuviel“ zu mindern das „Zuwenig“ zu stärken.

Written by geraldine

October 10th, 2017 at 1:48 pm

Biodynamische Craniosacral-Therapie

Der therapiebeschreibende Begriff craniosacral stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Schädel-Kreuzbein. Wie es die Übersetzung schon sagt, werden bei dieser Form der Körperarbeit sanfte Handgriffe und Interventionen im Bereich des Schädels und des Kreuzbeines ausgeführt.

Die Craniosacral-Therapie, eine aus der Osteopathie abgeleitete und weiterentwickelte Behandlungsform (William Garner Sutherland, 1873 – 1954), beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit sich auf die äusseren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen. Die Einzelknochen des Schädelswerden als gegeneinander beweglich angesehen.

Durch Berührung von Kopf und Rücken sammelt der Therapeut Informationen über mögliche Blockaden und wirkt auf Funktionseinschränkungen direkt am Körper ein sowie indirekt auch auf Membrane innerhalb des Schädels und auf die harte Hirnhaut. Dieses Vorgehen verbessert den „Primär-Rhythmus“ und reaktiviert die immer vorhandene Gesundheit. Dadurch können Beschwerden gelindert und die Lösung seelischer Traumata unterstützt werden.

Die Theorie von den losen Verbindungen der Schädelknochen und von dem Pulsieren der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit widerspricht dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung. Aus Sicht der Erfahrungsmedizin hingegen ist die Wirksamkeit der Craniosacral-Therapie unbestritten. Besonders bei Kindern mit schweren Geburtsverläufen und bei Erwachsenen mit HWS-Distorsion (Schleudertrauma) und wiederkehrender Migräne sowie Kopfschmerzen werden immer wieder sehr gute Resultate erzielt. Dies trotz der Tatsache, dass es selbst erfahrenen Therapeuten nicht möglich ist, erfolgreiche Behandlungen rational zu erklären.

Die Craniosacral-Therapie hat gemäss Lehrbuch und Klientenerfahrungen bei folgenden Beschwerden gute Resultate erzielt:

  • Schleudertrauma
  • Psychische und physische Traumata
  • Chronische Schmerzen
  • Kopfschmerzen / Migräne
  • Probleme an Muskulatur und Bewegungsapparat
  • Postoperative Beschwerden

 

Die eigentliche Behandlung ist ausserordentlich sanft und angenehm. Klienten nehmen diese Therapieform als entspannend und auch beruhigend wahr. Nach einem Erstgespräch zwischen Klient und Therapeut, das in der Regel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die darauf folgenden Behandlungen, legt sich die zu behandelnde Person bekleidet auf eine Massageliege. Der Beginn der Behandlung variiert nach Situation und Beschwerdebild. Ein Abtasten entlang der Wirbelsäule mit leicht dosiertem Druck reicht, um Stauungen, Blockaden und Verspannungen zu lokalisieren. Mithilfe feiner Grifftechniken werden diese gelöst. Ziel einer jeden Behandlung ist das Wiederherstellen des craniosacralen Rhythmus (Primärrhytmus). Nach dem Erstgespräch sollte pro Sitzung eine Stunde eingerechnet werden. Da die craniosacrale Therapie eine Methode der Körperarbeit ist, wird während der Behandlung weitgehend auf ein Gespräch verzichtet. Wie oft die Behandlung wiederholt wird, ist vom jeweiligen Beschwerdebild abhängig und muss daher individuell definiert werden. Die besten Erfahrungen werden gemacht, wenn nach der Stabilisierungsphase eine so genannte Erhaltungsphase folgte. Die in relativ kurzen Intervallen (alle drei bis sieben Tage) erfolgte erste Behandlungsphase wird langsam reduziert und findet im Sinne der Prävention danach noch etwa alle zwei bis vier Wochen statt.

Die Craniosacral-Therapie ist bei Menschen jeden Alters und jeden Gesundheitszustandes sehr gut anwendbar.